Bahnsteigeffekt:
Siehe → Seatbelt
Bananenboot:
Ein Flugzeug, das von Südamerika kommend in New York landet. Harry Belafontes Bananaboot-Song wird nicht mehr gespielt - stattdessen werden die Ankömmlinge von Rauschgift-Experten, die auf das Bellen ihrer Hunde warten, begrüßt. Egal, ob man von Rio, Caracas, Bogotá oder Recife kommt, die Romantik ist Vergangenheit. Selbst die Piloten bilden keine Ausnahme und werden von der “schwarzen Gang” (Pilotenjargon) in einer Sonderkabine “gefilzt”.
Bauchlandung:
Landung, ohne dass das Fahrwerk ausgefahren ist. Überaus spektakuläre Bauchlandungen machen hie und da die Manager und Pressechefs der Airlines. Nämlich dann, wenn sich deren Vorausberechnungen und Planungen als Fehlplanungen und Eigentore erweisen, weil die Realität ihre teuren Werbespots überholt hat.
Beladung:
Bei der Beladung eines Schiffes ist es wichtig, dass es balanciert geschieht. Bei der Beladung eines Flugzeuges ist es lebenswichtig. Für den richtigen Schwerpunkt ist die korrekte Bestückung das A und O. Das Flugzeug darf weder zu kopflastig noch zu schwanzlastig sein. Man sagt auch: das Flugzeug wird ausgetrimmt. Der Beladungs- und Trimmplan wird errechnet und vor Abflug dem Kapitän zur Unterschrift vorgelegt. Nachdem er den Plan überprüft hat, stellt er sodann an seiner Trimmanlage den errechneten Wert ein. Dadurch wird verhindert, dass das Flugzeug nach dem Abheben die Nase nicht in den nächsten Sumpf oder in einem Waldgebiet verschwinden lässt oder sich der Flieger aufbäumt wie ein wildes Pferd. Ein günstiger Schwerpunkt wirkt sich auch auf den Verbrauch von Treibstoff positiv aus. Wenn ein Flugzeug um eine Kleinigkeit mit dem Bug abwärts unterwegs ist, herrscht weniger Luftwiderstand. Je weniger Unterseite dem Fahrtwind entgegengestreckt wird, umso weniger Kerosin wird verbraucht. Es kann schon einmal vorkommen, dass in kleinen unterbesetzten Flugzeugen die Stewardess Passagiere von hinten in der Maschine nach ganz vorne bittet oder auch umgekehrt. Grund dafür ist, dass beim Start und auch bei der Landung der Trimmpunkt nicht in den vorgeschriebenen Limits liegt.
Bermudadreieck:
Für clevere Sensationsschriftsteller ein lukratives Nonsensgebilde. Den Flugkapitänen, die darauf hinweisen, dass gerade durch das Bermudadreieck geflogen wird, macht es Freude, den Passagieren hinten im Flieger Schauer über den Rücken zu jagen. Eigentlich ist Bermuda überall dort, wo extrem kalte und heiße Luftmassen zusammentreffen (z.B. feuchte Luft aus der Karibik und trockene, kalte Polarluft) und zusätzlich noch eine Anhäufung von Flugschulen mit unerfahrenen Flugschülern zu finden sind. Wenn abstürzende Flugzeuge über dem Meer “spurlos” verschwinden, liegt das ganz einfach daran, dass sie schlicht und einfach untergehen.
Beschwerdebrief:
Wenn Ihnen die Stewardess das Formular für eine Beschwerde aushändigt und Sie an das Gute im Menschen glauben, dann füllen Sie den Bogen ruhig aus und geben das Papier im verschlossenen Zustand der Stewardess zurück. – Sie Optimist. Inzwischen sind Sie doch schon längst bei der kompletten Kabinencrew unten durch. Entweder als begeisterter Verehrer oder als notorischer Nörgler. Was glauben Sie, welche Art von Brief dann die Direktion wirklich erreicht?
Besengeschwader:
Während über das “Geschwader Richthofen”, über “Todesgeschwader” und “Geschwaderkommodore” ganze Bücher geschrieben wurden, hat noch niemand über das “Besengeschwader” auch nur ein Wort verloren. Dabei ist es wichtiger als alle anderen. Gemeint sind die Putzfrauen- und männer, die sofort, nachdem der letzte Passagier das Flugzeug verlassen hat, über die hintere Kabinentreppe die Kabine hinaufstürmen und unverzüglich mit der Beseitigung der Hinterlassenschaften der “Vorflieger” beginnen. Eine Generation, die einfach alles fallenlässt, was nicht mehr gebraucht wird, sichert diese Arbeitsplätze nachhaltig. Es gab eine Zeit, wo sich Deutsche zu schade für diese Tätigkeit waren. Jetzt, in den letzten Jahren, mischen sich auch wieder deutsche Staatsbürger unter das Putzgeschwader, in dem immer noch die ausländischen Mitbürger in der Mehrzahl sind. Andere Länder – andere Sitten: In Indien zum Beispiel dürfen Frauen, einzig auf den Knien rutschend, mit einem Reisbesen, der in Deutschland nur noch in Grimms Märchen zu finden ist, die Sitzreihen säubern.
Betankung:
Bei den großen Flugzeugen sind grundsätzlich Teile der Tragflächen und des Rumpfes als Tank ausgebildet. Neuerdings werden sogar die Höhenleitwerke einiger Flugzeugtypen betankt. Der Jumbojet fasst da schon einmal bis zu 200.000 Liter Kerosin. Piloten rechnen in dem Fall nicht nach Volumen, sondern das Gewicht des Treibstoffes ist ein wichtiger Parameter für die Berechnungen. Der eigentliche Grund für die Berechnung nach Gewicht liegt in der Tatsache, dass früher, als noch nach Volumen getankt wurde, fuhren besonders in tropischen Ländern die Benzinlieferanten die Tankwagen vor dem Betanken in die pralle Sonne. Das Volumen nahm beim Aufheizen um einiges zu. Hatte der Pilot vollgetankt staunte er nach Erreichen der wesentlich kühleren Reiseflughöhe, dass die Tanks auf keinen Fall so voll waren, wie er bezahlt hatte.
Bitte anschnallen:
Siehe → Bahnsteigeffekt.
Blindflug:
Keine Sorge, nicht eine Fluggesellschaft liebäugelt mit dem Gedanken, blinde Piloten ins Cockpit zu setzen. Blinde Piloten, Blindflüge und Blindlandungen gehören in das Reich der Fantasie. Wer kein überdurchschnittlich hohes Sehvermögen hat, wird nie Pilot. Mit Blindflug sind Instrumenten-Flüge gemeint. Ist die Sicht durch Wolken beeinträchtigt, fliegt der Pilot nach Instrumenten. Für jeden Flughafen wird ein bestimmtes individuelles Wetterminimum festgelegt. Der Pilot fliegt den Flughafen nach Instrumenten an und landet nur, wenn er ganz zum Schluss die Landebahn sehen kann. Das Wort Blindheit ist hier wirklich fehl am Platz. In den letzten Jahren sind die Bemühungen, Landungen auch bei extremen Nebel- und Schlechtwetterlagen mit Hilfe von viel Elektronik und Automatiken möglich zu machen, ein Stück weiter gekommen. Drei Betriebsstufen existieren mittlerweile: CAT I: Horizontalsicht 800 Meter, Vertikalsicht 60 Meter. CAT II: Horizontalsicht 400 Meter, Vertikalsicht 30 Meter. CAT IIIa: Landebahnsicht 200 Meter. Bei CAT IIIc wäre man bei null Meter Sicht angelangt. Journalisten ohne Fachkenntnis äußern sich nach Presseempfängen mit Champagner und Kaviar euphorisch über diese Art der Wiedergewinnung des Erdbodens. Vergessen wird, dass der Pilot, wenn er das Minimum erreicht hat, im Bruchteil von Sekunden entscheiden muss, ob der landet oder durchstartet weil die Automatik doch nicht so präzise gearbeitet hat, wie es von ihr erwartet wurde. Für den Piloten ist die Zeitspanne für eine Entscheidung ziemlich kurz. Schließlich nähert sich das 200 Tonnen schwere Flugzeug mit rund 240 Stundenkilometern dem Boden und muss im Ernstfall blitzartig wieder in die Höhe gebracht werden. Zur Bewältigung dieser Probleme wird so ein Vorfall im Simulator hart trainiert. Die Entscheidung, ob durchstarten oder landen unter gleichzeitigem Ausfall eines Triebwerkes oder einer Hydraulik-Anlage – all das wird trainiert. Die Piloten fragen sich, ob sich der jahrzehntelange enorm teure Aufwand lohnt, die Landeminima um ein paar Meter zu senken. Die nach CAT II Bedingungen anfliegenden Flugzeuge müssen zum Beispiel weiter voneinander getrennt werden weil sonst das Flugzeug voraus seine Nachfolger mit der bordeigenen Elektronik stört. Die dadurch entstehenden Anflugverzögerungen sollten eigentlich vermieden werden. Und was machen Passagiere, die nach CAT III bei totalem Nebel und null Sicht gelandet sind. Kein verantwortungsbewusster Taxifahrer fährt bei dieser extremen Wetterlage in die Stadt. Das Flughafen-Terminal füllt sich mit gestrandeten Gästen. Die Airporthotels bekommen einen Sinn. Wie eine vollautomatisch gelandete Maschine bei Null-Sicht ihre Parkposition finden soll, wird nicht beantwortet. Hier fehlt die Elektronik. Der Pilot muss warten, bis er von einem Autolotsen von der Landebahn geholt wird. Optimal ist das nicht. Kleiner Lichtblick: Der neue Großraumflieger Airbus A380 findet auf dem Flughafen seine Parkposition am “Finger” mittels GPS selbst.
Blinder Passagier:
Die Aussicht, eine Reise ohne zu bezahlen, zu absolvieren, ist mit der Eisenbahn oder auf See wesentlich größer als im Flugzeug. Dafür ist der Vogel zu übersichtlich. Bevor das Flugzeug startet, zählt die Stewardess die Passagiere. Die gezählte Anzahl wird mit den Ladepapieren verglichen. Stimmt es nicht überein, wird ein Ticketcheck vorgenommen. Chancen für eine Beförderung ohne Ticket sehen manche darin, sich im Frachtraum oder im Fahrwerksschacht zu verbergen. Weil sich die Betreffenden mit den physikalischen Verhältnissen dort nicht auskennen, verläuft mancher Versuch tödlich. Im Frachtraum herrschen, wenn er nicht beheizt wird, frostige Verhältnisse. In 10.000 Metern Höhe liegen die Außen- Temperaturen bei minus 40 bis minus 70 Grad Celsius. Nicht jeder Frachtraum wird mit lebenswichtigem Sauerstoff versorgt. Wer sich im Fahrwerkschacht versteckt, läuft Gefahr, dass er beim Einfahren des Fahrwerks zerquetscht wird. Sauerstoffmangel und Tiefsttemperaturen sind dort garantiert vorzufinden.
Bordfilm:
Ein guter Grund für die Stewardess, exakt über einer imposanten Gletscherlandschaft Grönlands, dem Gangesdelta oder den - noch vorhandenen - Resten der Regenwälder Brasiliens abrupt die Vorhänge vorzuziehen. Wer Mut hat und einen unbändigen Willen, sich nicht gängeln zu lassen, der kann die Verdunkelung ja wieder aufheben. Nach meinen Beobachtungen ist die Zahl derer, die diese Zivilcourage zeigen und Wert auf die Freiheit der westlichen Welt legen, verschwindend gering.
Bordkaffee:
Ein modernes Getränk, das erst in Höhen ab acht Kilometer genießbar erscheint. Paula Almqvist, die begnadete Journalistin, vermutete einst, dass der Kaffee der “Lufthansa” einer Lobby von Magenärzten zuarbeitet. Als Ausgleich für derart “bohnenlose Gemeinheiten”, die man auch in Büros und anderen Kaffeebereichen erdulden muss, gibt es zum Trost das Café, mit der Betonung auf der zweiten Silbe. In früherer Zeit , als der Kaffee noch nach Kaffee schmeckte, saß man in einem Café um dort Kaffee zu genießen. Je übler das Zeug schmeckte, umso mehr wurde die Betonung französicher. Unter diesen Umständen ist es absolut korrekt, dass an Bord nicht Kaffee, sondern Café angeboten wird.
Bordlektüre:
Die Frage, ob man an der Auswahl der Zeitungen und Magazine, die von der Fluggesellschaft ihren Passagieren zur Verfügung gestellt wird, auf die politische Zugehörigkeit ihrer Vorstandsmitglieder schließen kann, darf mit Nein beantwortet werden. Eher wird den Vorlieben der Hauptpassagiere Rechnung getragen – und das sind nun mal die Geschäftsleute, Manager und Macher. Die werden kaum das Fehlen von “Konkret” oder “Emma” monieren. Wenn aber “Die Welt”, “Die Zeit” oder die “Süddeutsche” fehlen, dann eher schon. Das ist die bevorzugte Bordlektüre. Eine Airline, wie zum Beispiel die “Lufthansa” befördert pro Tag so um die 26 Tonnen Lesestoff in Form von ca. 500.000 Zeitschriften und etwa anderthalb Millionen Zeitungen. Die “FAZ” ist an Bord von 91 Fluggesellschaften vertreten “Die Welt” kommt auf 62 und der “Stern” bringt es auf 26 Gesellschaften. Aus Werbe – und Prestigegründen erhalten die Airlines die Exemplare verbilligt oder gratis. Die Beförderung allerdings ist ein nicht zu verachtender Kostenfaktor. Die “Lufthansa” lädt pro Flug ca. 180 Kilogramm Bordlektüre ein. Das summiert sich auf ungefähr eine Million Euro Transportkosten pro Jahr.
Bremsklappen:
Sie werden auch Störklappen genannt. Bei der Landung, nach dem Aufsetzen, fahren sie aus, um den Auftrieb zu eliminieren, der jetzt kontraproduktiv wäre. Doch auch während des Fluges werden sie manchmal gebraucht. Wenn ein Flugsicherungs-Lotse das übergehen in den steilen Sinkflug anordnet, wird mit den Störklappen die Geschwindigkeit vermindert. Wer im Flieger die Tragflächen sehen kann, wird das Ausfahren der Klappen deutlich sehen und meist auch hören können.
Briefing:
Vorbesprechung der Besatzung über den Flug. Der jeweils verantwortliche Purser (der Laie sagt: Chefsteward) informiert seine Kabinencrew über die Fluggäste, die VIPs und HONs sowie über den Zeitpunkt des Services. Vor allem überprüft er die Kenntnisse für den Notfall, fragt nach der einen oder anderen Sauerstoffflasche und will wissen, wo die Feuerlöscher sind. Atemlos lauschen die Stewardessen, wenn der Purser die Mädchenschar davor warnt, sich in so dubiosen Ländern wie Chile, Pakistan, Indien, Peru oder Bolivien mehr als zwölf Meter vom Hotel-Pool zu entfernen. Wegen der Mikroben, den Straßenräubern, Viren und den marodierenden Kindergangs. Dann erscheint noch der Pilot und ergänzt die Ausführungen des Pursers mit den Informationen über Flugroute und Dauer. Abschließend richtet er noch ein Paar Worte an die Stewardessen: “Und um Himmels willen, bleiben Sie nicht ewig am Hotel-Swimmingpool kleben – fahren Sie hinaus und lernen Sie Land und Leute richtig kennen. Lassen Sie sich bloß nicht von irgendeinem “Warmduscher” einreden, Sie würden pausenlos überfallen und vergewaltigt werden. Ich bin seit fünfundzwanzig Jahren in den finstersten Gegenden unterwegs gewesen und mir ist noch nie was passiert – außer vor zwei Jahren im Frankfurter Bahnhofsviertel”.
Buchung:
Im Allgemeinen der Vorgang, der das irre Glücksgefühl hervorruft, ein garantiertes Mitflugrecht auf einem bestimmten Flug erworben zu haben. Im wahren Leben kann man aber wegen Überbuchung dem Flieger auch hinterher sehen und die Welt nicht mehr verstehen. Der Grund: alle Airlines überbuchen um mindestens 20 Prozent. Damit sollen die sogenannten Noshows ausgeglichen werden. Das sind Passagiere, die trotz Buchung dann doch nicht fliegen. Kann sein, dass jemand sich in letzter Minute statt dem Flug nach Neuseeland dann doch die Schiffsroute wählt, oder er bucht gleich bei drei Fluggesellschaften in der Hoffnung, dass es wenigstens bei einer klappt. Der Passagier ist bei einer Überbuchung in helle Aufregung versetzt und schimpft auf die Buchungsabteilung. Zu unrecht, denn dafür ist eine andere Abteilung verantwortlich. Die sonnt sich im Wissen und der Erfolgsstatistik, das Flugzeug bis auf den letzten Platz ausgelastet zu haben. Zur Einführung der rechnerunterstützten Buchung, tönte es aus den Chefetagen der Airlines, jetzt sei eine optimale und korrekte Buchung möglich. Heerscharen von buchungsgeschädigten Passagieren atmeten auf. Genialen Spezialisten gelang es kurz danach, den Kollegen Computer auszutricksen und die Katze beißt sich weiter in den Schwanz: Die Passagiere buchen dreifach und die Airline überbucht. Weil die Airline überbucht, buchen Passagiere dreifach.
Businessclass:
Weder Economy- noch erste Klasse, ein Mittelding. Alkoholische Getränke gibt es für lau; der Sitzkomfort unterscheidet sich deutlich von der “Holzklasse”, in der sowieso nur noch zu Schnäppchenpreisen geflogen wird.
