D - wie “Dampfluftfahrt”

Dampfluftfahrt:
Convair 340Scherzhafte Bezeichnung für die Epoche der Propeller-Flugzeuge mit Kolben-Motor, wie zum Beispiel die Super-Constellation, die DC 6 oder die Convair 340 und so weiter.

Datumslinie:
Angenommen, Sie pendeln um Weihnachten und Neujahr zwischen Alaska und Tokio, dann wird Ihnen ein Erlebnis zuteil, um das Sie beneidet werden. Wenn Sie in der Nähe der Aleuten an den Ratten-Inseln vorbei fliegen, passieren Sie den 180. Meridian. Dann gewinnen oder verlieren Sie einen Tag - je nach der Flugrichtung. Der geschickte Passagier kann von Japan nach Alaska fliegend dann zweimal Weihnachten, Sylvester oder seinen Geburtstag feiern.

Deadhead-Flug:
Nur Flugzeugbesatzungen kommen in den Genuss, dieser Art zu fliegen. Sie fliegen dann zum Dienst oder zurück wie die anderen “normalen” Passagiere. Wenn zum Beispiel ein Flug aus Amerika in Frankfurt endet und die Crew in München stationiert ist, wechselt die Besatzung. In dem Fall kleiden sie sich hastig in “Räuberzivil” und genießen als “toter Kopf” die gleiche Behandlung der neuen Crew, wie sie den anderen Mitreisenden auch zuteilwird. Deadhead-Flüge ergeben sich auch, wenn irgendwo in La Paz, Bolivien oder sonstwo ein Bordmitglied krank wird und Ersatz herbeigeflogen werden muss. Nach der Ankunft in La Paz stellt sich dann heraus, dass der kranke Mitarbeiter wieder gesund ist und in Richtung Santiago de Chile weitergeflogen ist. Dann fliegt der “Deadhead-Mann” über Lima, Puerto Rico und New York wieder nach Deutschland zurück und freut sich über den vielgelobten Service an Bord. Traumhaft!

Debriefing:
DebriefingLuftfahrt-Kauderwelsch für ein Saufgelage nach einem mühsamen Flug. Für die Allgemeinheit erklärt: die Crew versammelt sich im Hotelzimmer des Captains oder des → Pursers bzw. der Purserette zum gemütlichen Zusammensein, um noch etwas zu plaudern, oder zu klönen. Früher hatte das Debriefing die Eigenschaft einer Nachbearbeitung des Fluges. Wenn zum Beispiel während des Fluges ein Notfall eingetreten war, wurde bei dieser Gelegenheit darüber diskutiert, wer sich korrekt verhalten hatte – und wer nicht. Manchmal trifft sich eine Crew aber einfach nur, weil sie sich gut vertragen. In den letzten Jahren ist der Luftverkehr immer mehr versachlicht worden und dieser zwanglose Treff ist zur stumpfsinnigen Routinesache geworden. Wenn man vermeiden will, als Außenseiter dazustehen, nimmt man halt am Debriefing teil. Da die Erschöpfung nach einem Langstreckenflug groß ist, kommen geistreiche Gespräche erst gar nicht auf. Nach kurzer Zeit wird nur noch herumgealbert und zollfreier “Sprit” getrunken - Witze mit dem Bart von Methusalem machen die Runde.

Dekompression:
Beispiele für eine Dekompression in der Flugzeugkabine sind Leckagen oder Schusswechsel in der Kabine, die einen plötzlichen Druckabfall in großer Höhe verursachen. Die Piloten sind aus gutem Grund entschieden gegen das Besteigen der Kabine mit einer Schusswaffe. Obwohl vor dem Gesetz alle gleich sind, ist die Abgabe der Waffe und deren Verwahrung im Tresor Politikern und deren Leibwächtern oder anderen prominenten Passagieren schwer zu vermitteln. Nur ungern trennen sie sich von den “Totmachern” während des Fluges. Doch zurück zu der Dekompression. Bei der fallen dann endlich mal die Sauerststoffmasken aus der Decke herab, die vor dem Start von der Stewardess während der “Emergency-Ansage” für alle sichtbar hergezeigt werden. Jeder Passagier sollte frohlocken, wenn ihn der plötzliche Druckabfall wie ein Faustschlag in die Magengrube und auf das Trommelfell trifft und sich Kondensnebel in der Kabine breitmacht. Die Masken fallen wirklich aus ihrem Versteck. Jeder Pilot ist für den Fall des Emergency-Descent, den Notabstieg, gründlich vorbereitet. Routiniert leitet er einen Sturzflug auf 10.000 Fuß - der Sicherheitshöhe, ein. Jetzt ist das Atmen ohne Sauerstoffmaske ohne Gefahr möglich. Dieser Notabstieg wird bei jeder Überprüfung des Piloten, sei es in einem Flug-Simulator oder im Lufthansa Trainingszentrum in Arizona USA direkt über der Mojavewüste geübt.

Delay:
Verspätung. Siehe auch → Pünktlichkeit und → Catering.

Departure:
Abflug, der, wie die Statistik der internen Betriebsblätter ausweisen, zu 98 bis 99,2 Prozent aller Flüge pünktlich vonstatten geht. Naja. → Statistik und → Pünktlichkeit.

Destination:
Zielort.

Diplomatengepäck:
Nur wenn konkrete Beweise vorliegen, darf dieses Gepäck kontrolliert werden. Die üblichen Sicherheitskontrollen werden nicht durchgeführt. Selbst Passagiere in der First-Class sehen mit Neid auf diese Sonderbehandlung herauf. Keine Pass- und Zollkontrollen – kein Bodycheck. Besonders fällt da die Route Anchorage–Tokio auf. Dort fliegen ungewohnt viele sogenannte Diplomaten. Es ist die “CIA-Route” zwischen den USA und dem fernen Osten. Aber auch Russland benutzt diese Strecke ziemlich häufig.

Direktverbindung:
Der aeronautische Laie glaubt mit der Direktverbindung ohne Zwischenlandung an sein Ziel zu kommen. Dabei ist diese Wortschöpfung nur das Werk cleverer Pressechefs. Auf der Direktroute muss der Flugpassagier sehr wohl Zwischenhüpfer über sich ergehen lassen: Istanbul, Teheran, Kalkutta, Bangkok, Hongkong. Nur die Nonstop-Verbindung hätte ihn direkt nach Hongkong gebracht. Den kleinen Unterschied zwischen direkt und nonstop findet man in keiner Hochglanzbroschüre der Airlines.

Ditching:
DitchingNotlandung auf dem Wasser. In der Alltagspraxis des zivilen Luftverkehrs ein seltener Vorfall. Bei Militärtransportmaschinen, weil noch heute mit Propellern bestückt, ist ein Ditching schon eher vorgekommen. In der Zeit der Propellerflugzeuge kam es immer wieder vor, dass ein Flugzeug unfreiwillig auf dem Atlantik oder dem Pazifik niederging. Die “Boeing 314 Stratocruiser” erlangte damit Berühmtheit. Ihre vier Motoren mit einem äußerst komplizierten Luftschrauben-Verstellmechanismus waren besonders störanfällig. Jeder Pilot hat sich schon einmal gefragt, wie er eigentlich ditchen soll. Gegen die Wellen? Oder in Längsrichtung in einem Wellental? Oder vielleicht auf einem Wellenkamm? Ohne Kenntnis über die Wellenhöhe, Windrichtung, Windstärke, Wassertemperatur und der Positionen von Schiffen, zur Rettung aus der Seenot, kann kein Pilot ein Ditching vornehmen Die Routinewettermeldungen geben das nicht her. Einziger Helfer ist an Bord moderner Flugzeuge der Copilot. In der guten alten Dampfluftfahrt hatte der Captain neben dem Flugingenieur noch einen Funker mit im Cockpit. Mit diesem Personal konnte er sich die Infos beschaffen. Heutzutage fliegen mehrere Hundert Passagiere mit zwei Triebwerken und zwei Mann im Cockpit über die Weltmeere. Käme es zu einem Ditchingfall wären die beiden Piloten hoffnungslos überfordert. Der Vorfall als solcher wurde inoffiziell einfach ausgeblendet. Er findet nicht statt. Vergessen hat man, die Schlauchboote an Bord herauszunehmen. In Küstennähe mögen diese bei Notwasserungen noch hilfreich sein. Aber zum Trost. Die Triebwerke sind heute so zuverlässig, dass auch zwei davon genügen um die einzelnen Kontinente damit anzufliegen. Die Fluggesellschaften geben Sicherheitsgarantien. Das Restrisiko sei vernachlässigbar – sagen sie. Wie das mit dem Restrisiko so ist, kennen wir ja schon aus der Kernreaktorszene.

Downgraden:
Luftfahrt-Slang, der einen ungemein unbeliebten Vorgang beschreibt. Firstclass-Passagiere müssen, welche Schmach, aus Platzgründen in der “Holzklasse” fliegen. Wesentlich beliebter ist das Upgrading – weil in der Holzklasse kein Sitzplatz mehr frei ist, wird der Economy-Passagier ohne einen Cent mehr zu bezahlen, in die erste Klasse gesetzt.

Druckkabine:
druckkabine4Das Gehäuse, den Flugzeuginnenraum, der den Passagieren den optimalen Komfort an Sauerstoffgehalt, Temperatur und Luftfeuchtigkeit sicherstellt. Besonders die geringe Luftfeuchtigkeit in den Reiseflughöhen sind ein schier unlösbares Problem. Die angesaugte Luft ist so extrem trocken, dass ein immenser Aufwand nötig wäre, diese mit Feuchtigkeit anzureichern, um die Reizung der Nasenschleimhaut zu mindern. Die Entwicklung eines ordentlichen Systems zur Verbesserung des Komfortes durch Luftfeuchtigkeitszunahme in zivilen Airlinern würde große Summen verschlingen. Die verwendet man lieber anderswo. Um den Feuchtigkeitsverlust etwas auszugleichen, kaufen wir während des Fluges diverse Getränke. Daran verdient die Fluggesellschaft dann ja auch noch etwas dazu.

Dumping:
DumpingIm Flieger-Jargon hat der Begriff eine andere Bedeutung, wie der Verfall der Preise im Lebensmittel-Einzelhandel. Er beschreibt eher das Gegenteil – nämlich das Fuel-Dumping, und das ist ein teurer Akt. Kostbarer und teurer Treibstoff wird abgelassen. Weil das den Fluggästen an Bord nicht verborgen bleibt, spricht der Flugkapitän im beruhigendem Tonfall ein Paar Worte nach hinten: “Verehrte Fluggäste, gleich werden Sie an beiden Tragflächen ein interessantes Phänomen beobachten können. Dort sprüht Kerosin heraus. Weil wir bei der bevorstehenden Landung zu schwer sind, müssen wir bedauerlicher Weise eine ganze Menge an Treibstoff ablassen. Sicher werden sie sich wundern, dass wir kurz nach dem Start gleich wieder landen, statt Sie in einem Zehnstunden-Flug zu Ihrem Zielflughafen zu bringen. Grund dafür ist ein kleines technisches Problem. Von den vier Triebwerken unseres Jumbo-Jets sind mittlerweile zwei ausgefallen, so dass wir uns entschieden haben, den Atlantik nicht zu überqueren.” Unmittelbar nach den warmen Worten des Piloten entströmt den Tragflächen das Kerosin und in der Kabine nehmen die Passagsiere das Foto-Handy oder die Fotokamera zu Hand und knipsen das Ereignis ausgiebig. Damit kann man zuhause so richtig glänzen. Inzwischen ist vorne im Cockpit eine Checkliste für das Fuel-Dumping verlesen worden. Der Copilot hat ausgerechnet, wie viel von der teuren “Suppe” in die Atmosphäre entlassen wird, um das höchstzulässige Landegewicht nicht zu überschreiten. Das liegt immer weit unterhalb des höchstzulässigen Startgewichtes eines Langstrecken-Flugzeuges. Die Zeremonie des Dumpings ist daher unvermeidbar.

Durchchecken:
Ist typisches Flieger-Englisch für einen Vorgang, der nicht immer zur Zufriedenheit abläuft. Wer mit einer bestimmten Fluglinie von Frankfurt nach New York und dann von dort nach Phoenix, Houston oder Albuquerque weiterfliegen will, kann nicht mit Sicherheit damit rechnen, dass er sein durchgechecktes Gepäckstück am Zielort zeitgleich mit der Ankunft vorfindet. Als sicherste Methode gilt seit jeher, sich am ersten Aussteigeort persönlich um sein Gepäck zu kümmern. Oder aber eine Verlustmeldung bei “Lost and Found” ist von besonderem Interesse des Besitzers.

Dutch Roll:
Dieser Begriff kommt aus der altholländischen Seefahrt. Bei Einführung der ersten Generation der Jets, wie etwa der Boeing 707, hat das uralte Rollen der Segelclipper neue Bedeutung gewonnen. Denn entgegen aller euphorischen Meldungen über die neue (Düsen)-Kraft, die Flugzeuge mit doppelter Geschwindigkeit und Reiseflughöhe über den Erdboden rasen läßt, litten die neuen Pfeilflügler unter einem eklatanten Mangel: Im alten Sinne waren die Geräte überhaupt nicht flugfähig. Sie waren völlig instabil und man musste sogenannte “Yaw Dampers” installieren. Das sind technische Hilfsmittel, die immer dann, wenn das Flugzeug instabil wird und anfängt zu rollen und zu gieren, automatisch den erforderlichen Ausschlag des Gegenruders vornehmen. Für den Fall, dass die automatischen “Yawdamper” ausfallen, wurde die Steuerung von Hand fleißig geübt. So mancher Pilot ist damals bei der manuellen Steuerung gegen die Schlingerbewegungen der Boeing ins Schwitzen geraten. Die neuen Jets der zweiten, dritten und vierten Generation sind mittlerweile mit so viel Automatiken vollgepackt, dass sie von Hand nicht mehr zu fliegen sind. Ein Totalausfall der “Yawdamper” ist aufgrund der modernen Technik ausgeschlossen.

Duty Free Shopping:
Auf internationalen Flügen wird die Kabine des Flugzeuges zum Duty Free-Shop und die Fluggäste kaufen fleißig zollfrei ein. Aber Achtung, am Himmel sind die Preisunterschiede enorm. Für den Einkauf von Parfüm ist Amsterdam besonders günstig. Alkoholische Getränke kauft man günstig in Indien und Pakistan – allein schon deshalb, weil niemand, der sich selbst irrtümlich als Globetrotter bezeichnet, glauben kann, daß authentischer Jamaica-Rum so billig sein kann und alles für eine Fälschung erklärt. Hongkong und Singapur werden stetig teurer und man kann einen Einkauf nicht guten Gewissens empfehlen. Kaufen Sie lieber in Bogota oder Lima ein. Sollten sie jemals auf den Gedanken kommen, im Duty Free-Shop auf dem Frankfurter Flughafen einzukaufen – vergessen Sie es schnell wieder. Fahren Sie mit der Rolltreppe in das Untergeschoss zum dortigen Supermarkt. Dort bekommen Sie die Getränke wegen der vielen Sonderangebote deutlich billiger. Auch was den Zigaretten und Parfüm-Einkauf während des Fluges von Deutschland auf die Kanarischen Inseln betrifft, warten sie, bis sie auf der Insel sind, da ist alles noch ein Stück preiswerter.

 

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