G - wie “Galleymaus”

Gabelflug:
Wenn Sie mit diesem Buchungswunsch in ihrem Reisebüro erscheinen, ernten sie nicht unbedingt Freude. Es ist aber eine Möglichkeit, ferne Reisen zu niedrigen Preisen zu unternehmen. Man bucht eine Reise mit unterschiedlichen Ankunfts- oder Umkehrorten- will heißen, dass Ziel- und Rückflughafen sowie der Heimatflughafen für Abflug und Ankunft müssen nicht identisch sind. Weil diese Art von Buchungen der sogenannten “Open Jaw Flights”“ sehr arbeitsaufwendig sind, wird das Reisebüro von sich aus nicht auf diese “Spezialität” hinweisen.

Galley:
Bordküche. Würde Alice Schwarzer sehen, mit welchen schweren und scharfkantigen Containern die eher zierlichen Stewardessen dort konfrontiert sind, würde sie ganze Seiten in der “Emma” darüber vollschreiben. Mehr oder weniger pausenlos, je nach der Länge der Flugstrecke, müssen die Behälter aus den Halterungen gelöst und gehoben werden.

Galleymaus:
Ein Nagetier, das Käse und Schinken bevorzugt? – weit gefehlt, es ist die Stewardess, die nicht vorne in der Kabine im Service ist, sondern hinten in der Bordküche Schwerstarbeit leistet. Container aus den Halterungen herausziehen, Tabletts mit den Speisen und Drinks vorbereiten, die von den Kolleginnen dann an den Sitzplatz der Passagiere gebracht werden. Die Verteilung der Rollen geht geräuschlos vonstatten: “Ich habe mir gestern beim Service auf der Nordatlantiktour zwei dicke Blasen gelaufen - ich mache heute mal die Galleymaus.”

Gate:
Das ist der Ausgang am Flugsteig, wo sich die Passagiere versammeln in der Hoffnung, pünktlich abzufliegen. Er liegt immer in der entferntesten Ecke des Terminals - weltweit. Der Flughafen Frankfurt ist ein gutes Beispiel dafür. Aber auch der Airport München steht, obwohl erst in der Zeit der Olypischen Spiele 1975 konzipiert, dem in Frankfurt nichts nach. Es sieht fast so aus, als hätte man damals versucht, selbst den letzten Fluggast noch auf olympiareife  Laufrekorde heben zu wollen.

Gegrounded:
Im Luftfahrt-Slang die Bezeichnung für geerdet.  Radios und Fernseher werden auch geerdet – hier sind es aber Menschen und Flugzeuge. Wenn bei einem Flugzeug der Verdacht der Unsicherheit vorhanden ist, wird es gegrounded (siehe → Materialermüdung). Das Gleiche kann aber auch dem Piloten passieren. Ein Verstoß gegen die Regeln, wie etwa das Unterschreiten der Wetterminima beim Lande-Anflug, also tiefer heruntergeht als es die Vorschrift für den Schlechtwetter-Anflug erlaubt – schon ist er gegrounded. Wer als Pilot die vorgegebene höchstzulässige Querwindkomponente von 25 Knoten überschreitet und das Flugzeug mit 29 Knoten “an den Beton nagelt” (Fliegerjargon), wird gegrounded. Auch eine Stewardess ist vor dem gegrounded werden nicht sicher. Wenn sie zum Beispiel bei einem Passagier mehrmals übersehen hat, dass der nicht angeschnallt war und es sich dabei zufällig um einen “Checker” handelt, der die Sicherheitsverfahren prüft, bleibt die Gute am Boden.

Gepäckbeförderung:
Wer schon einmal miterleben konnte, wie die Entlader die Koffer mit einer gewissen Verachtung aus den Frachträumen der Flugzeuge auf den Gepäckwagen schmeißen, der versteht, warum der Reisende mit Erfahrung zum scheußlichsten Gepäckstück greift, das jemals von einem Designer kreiert wurde – dem “Samsonite”. Weil er so praktisch ist, schämt man sich nicht so dafür. Das Erscheinen mit einem Mülleimer am Arm auf einer eleganten Party erfordert weniger Mut. Scheußlich darf es sein, wenn es nur praktisch ist. Der “Samsonite” ist die schärfste Waffe gegen die Zerstörungswut der Flughafenbediensteten. Die noble Eleganz eines sündhaft teuren Lederkoffers hat im heutigen Luftverkehr keine Daseinsberechtigung mehr.

Gewichtsprobleme:
Nicht nur Flugzeuge, auch die Stewardess kann solche Probleme haben. Die Startmöglichkeiten eines Flugzeuges sinken mit der Höhe der Temperatur auf dem Flughafen. Heiße Luft, wie sie in Bombay oder Rio des öfteren vorzufinden ist, trägt schlecht und führt manchmal zu Startbeschränkungen. Dann müssen Fracht und/oder Passagiere zurückbleiben, damit das zulässige Startgewicht nicht überschritten wird. Für Stewardessen gilt die Formel: Körpergröße weniger Hundert minus zehn Prozent. Wer sein höchstzulässiges Körpergewicht überschreitet, muss damit rechnen, → gegroundet, ermahnt oder im unverbesserlichen Fall entlassen oder zu den Bodenstewardessen versetzt zu werden. Das steht so schon im Arbeitsvertrag geschrieben.

Gewitter:
Der Gedanke, während eines Fluges in einem Gewitter zu sein, ist für viele unheimlich. Doch im Gegensatz zu der allgemeinen Meinung sind Blitze für ein Flugzeug und dessen Insassen relativ ungefährlich. Manchmal wird bei einem Flug in aufgeladener Atmosphäre der Jet mehrmals vom Blitz getroffen. Meistens signalisiert sich der Blitzschlag durch ein trockenes ticken auf der Außenhaut des Fliegers. Manchmal ist ein starker Geruch von Ozon zu verzeichnen. Es kommt auch vor, dass Funken aus elektrischen Geräten sprühen und den Piloten die Haare zu Berge stehen – gepaart mit einer bläulichen Aura, dem Elmsfeuer. Effektvoll, aber harmlos. Gefährlich an einem solchen Flug sind die auftretenden Turbulenzen. Im und um der Gewitterzone können äußerst starke Auf- und Abwindströmungen den Piloten das Leben schwer machen. Bei schnellem Durchfliegen können durchaus schwere Schläge auftreten. Keineswegs harmlos sind die Hagelkörner in den Wolken. Mancher Jet musste schon mit starken Beulen und Lädierungen wieder umkehren. In der heutigen Zeit fliegt man aber über ein Gewitter hinweg oder umfliegt es großzügig. Die Flüge durch Gewitterzonen, wie früher in Kino-Filmen zu sehen waren, gibt es kaum noch.

GMT:
Greenwich Mean Time. Das ist die Zeit, die am Nullmeridian angezeigt wird. Alle Zeitangaben in den Flugunterlagen für die Crew sind GMT. Beim Umrechnen von GMT in die aktuelle Ortszeit am Ziel des betreffenden Landes ist schon so mancher Pilot mehr ins Schwitzen gekommen als bei einem Landeanflug bei schlechtem Wetter.

Go Around:
Durchstarte-Verfahren. Die Klappen zur Landung sind voll ausgefahren - gleich setzt die Maschine zur Landung auf - die meisten Passagiere haben sich, um entspannt zu wirken, die Tageszeitung vor das Gesicht gezogen. Sie wissen, dass die meisten Flugunfälle bei der Landung oder dem Start passieren. Und da, plötzlich heulen die Triebwerke auf, das Fahrwerk verschwindet rumpelnd wieder im Schacht und es geht wieder jäh nach oben. Was ist den jetzt los? Das Flugzeug musste durchstarten. Oft deshalb, weil die Landebahn nicht rechtzeitig geräumt werden konnte. Ein Sportflieger mit seiner “Einmotorigen” hat die Abzweigung auf der Rollbahn verpasst oder bei einem Schlechtwetteranflug waren die Anfluglichter nicht genau in der Höhe in Sicht, in der sie für diesen Fall vorgeschrieben sind. Also wird durchgestartet. Nix besonderes. Alle halbe Jahr wird so ein Verfahren im Simulator geübt, geübt, geübt. Eingebaut werden dabei technische Hindernisse, wie sie in dieser Häufung in der Praxis nicht vorkommen: Ausfall eines Triebwerkes, Störung in der Hydraulik, die das Einfahren des Fahrwerks und der Klappen verhindert, Querwinde, Vereisung und plötzlich herein treibender Seenebel. Die Liste an neckischen Überraschungen ist groß.

Ground Hostess:
Zwischen den Bodenstewardessen (Ground Hostessen) am Schalter und den fliegenden Kolleginnen liegt manchmal ein gespaltenes Verhältnis vor. Viele der Schalterdamen (ich kenne Hervorragende) leiden unter ihrer Ablehnung als Boden-Stewardess und sehen sich in die zweite Reihe gesetzt.

Groundfeeding:
Wenn zum Beispiel eine größere Startverzögerung wegen technischer oder meteorologischer Probleme angekündigt ist und die Passagiere nicht an Bord verpflegt werden können, dann werden sie auf dem Flughafen mit Nahrung und Getränken versorgt. Diese Art der “Pax-Abfütterung” (Stewardessen-Jargon) findet meistens im Flughafen-Restaurant statt.

Ground Transport:
Ground Transport in übelster WeiseWenn der Nebel als undurchsichtige Suppe auf dem Flughafen liegt, ist das die letzte Möglichkeit, den Zielflughafen zu erreichen. Man erwartet in Stuttgart zu landen, und findet sich in München wieder. Statt in Brüssel sitzt man in Amsterdam oder Köln/Bonn. Dann tritt der Ground Transport in Aktion. Nach einigen Telefonaten der Bodenstation, die einer gewissen Hektik nicht entbehren, findet sich noch irgendwo ein übelgelaunter und vielleicht auch übermüdeter Busfahrer, der sich erbarmt und die Passagiere auf dem Landweg an das eigentliche Ziel bringt. Obwohl man ein teuer bezahltes Ticket, eventuell sogar aus der ersten Klasse besitzt, ist der Bustransport meist mies. Es kann aber auch vorkommen, dass eine mitfühlende Crew oder ein cleverer Stationsagent aus privater Initiative, ohne die nachfolgenden bürokratischen Komplikationen zu fürchten, für Sandwiches und Getränke sorgt. Noch Wochen danach wird die Bürokratie diesen Fall finanztechnisch bearbeiten – aber das ist eine andere Geschichte.

 

Teneriffa Information

Wirb ebenfalls für deine Seite

3play_HD_Banner_160x600

Aktion Deutschland Hilft

Routen_300x250

MEDIONshop