Pad:
Passanger available for disembarkation. Dahinter verbergen sich die “Zehn-Prozent-Flieger”, die von den voll zahlenden Fluggästen neidvoll betrachtet werden. Ein großer Irrtum. Als Mitarbeiter einer Airline für nur zehn Prozent des normalen Preises von A nach B fliegen zu können, sehen die Vollzahler als großes Privileg an. Die “Neider” wissen nicht, dass die beliebten Urlaubsziele oft auf Wochen im Voraus ausgebucht sind beziehungsweise eine ganze Saison für die Pads gesperrt sind. Pads stehen immer auf der Warteliste und müssen sehen, ob noch Plätze frei sind. Wenn dann wie oft, nur einmal in der Woche ein Rückflug stattfindet, dann werden, wenn kein freier Platz mehr da ist, aus einer Woche dann zwei. Der verlängerte Hotelaufenthalt ist dann meist teurer als ein Vollzahler-Ticket. Da der Pad ja nach dem Urlaub wieder arbeiten muss, ist das Ganze ein Risiko. So sorglos, wie es scheint, ist die Pad-Fliegerei also doch nicht. Um die Nerven zu schützen, haben viele Besatzungsmitglieder noch nie von dem “Vorteil” Gebrauch gemacht.
Passagier:
Siehe → Pax oder → Fluggast.
Pax:
Telexcode für den → Fluggast. Wenn die Stewardessen auf einem Zwischenstopp einmal zehn Minuten relaxen möchten und die Illustrierten an Bord durchblättern wollen, geht ein Alarmschrei der Stewardess durch die Kabine: “Die Paxe kommen!” Besonders leidvoll klingt der Alarmruf am Freitag - da erscheinen die neusten Ausgaben der Boulevard-Blätter.
Pendelflug:
Im Luftfahrtdeutsch die Bezeichnung für Shuttle. Ohne eine Vorausbuchung wird jedem Passagier ein Sitzplatz garantiert. Anfangs wurden Shuttledienste im Nordosten der Vereinigten Staaten angeboten. Heute gibt es so etwas zum Beispiel von vielen Städten in Deutschland nach der Bundeshauptstadt Berlin. Die Crews selbst verstehen freilich unter Shuttle etwas ganz anderes. An gewissen Orten des internationalen Luftverkehrnetzes stationiert man Shuttle-Crews, die über einen festen Zeitraum hinweg immer die gleichen Anschluss-Strecken fliegen, und die aus Deutschland ankommende Crew dann nicht mehr zulässig wäre. Zwischen Rio de Janeiro und Paraguay, Bangkok und Sydney, Hongkong und Tokio zum Beispiel gibt es solche Crew-Shuttles.
PIA:
Please Inform Allah. Lieb gemeinte Aufforderung der pakistanischen moslemischen Fluggesellschaft – oder doch die Abkürzung für Pakistan international Airline?
PIC:
Pilot-in-Command. Der Pilot, der vorne im Cockpit das Sagen hat. Richtiger ist aber: in den Zeiten des gleichberechtigten Teamworks hat er nicht viel zu sagen aber umso mehr hat er die Verantwortung, wenn etwas nicht klappen will.
Pilot:
So eine Art Sioux-Indianer, der in der modernen Zivilisation als lästiger Mitesser angesehen wird und in der Zeit wo alles automatisch funktioniert, eigentlich ausgerottet werden kann. Immerhin darf er noch Ansagen in die Kabine zu den Passagieren machen. Denen erklärt er Sehenswürdigkeiten am Boden - und die sind immer auf der anderen Seite des Flugzeuges. Auch als Puffer für die Bürokratie ist er noch vonnöten, weil ja irgendjemand bei einem Crash verantwortlich dafür gemacht werden muss. Der Copilot bleibt weiterhin unentbehrlich. Schließlich muss ja einer den Koffer der Stewardess tragen.
Pocketfuel:
Taschensprit. In der guten alten Zeit der Verkehrsfliegerei gab diese Spritreserve im Hintergrund dem Piloten eine gewisse Sicherheit. Selbst die widrigsten Wetterverhältnisse brachten ihn nicht aus der Ruhe. Heutzutage ist Pocketfuel weitgehend verpönt. Wer ein Könner ist unter den Piloten, fliegt mit dem absoluten Minimum an Treibstoff und kommt immer dabei durch – egal, wie viel Schweiß und Stress es kosten wird.
Polarflug:
Wenn eine Maschine wegen technischer Mängel einmal am geografischen Nordpol oder im Nördlichen Eismeer notlanden müsste, so kämen sie, wenn auch unfreiwillig, zu einem echten und preiswerten Abenteuerurlaub. An Bord jeder Maschine, die über den Nordpol fliegt, befindet sich eine Notausrüstung, die jeden Anspruch erfüllen soll. Mitgeführt werden unter anderem eine Anleitung zum Bau eines Iglus (wirklich), ein Buch zur Bestimmung von essbaren und giftigen Pflanzen und diverse Gesellschaftsspiele. Beile, Messer und Spaten gehören ebenfalls dazu. Und als Krönung enthält das Notfallpack auch noch ein Jagdgewehr. Damit kann man, Treffer vorausgesetzt, Eisbären schießen. Falls es aus Mangel an Übung mit dem Iglubauen nicht klappt, ist eine komplette Zeltausrüstung beigelegt. Natürlich glaubt der Laie, im Rest des Flugzeuges eine besonders gute Bleibe zu finden. Weit gefehlt – die enorme Auskühlung des Rumpfes würde sie wie in einer Tiefkühltruhe einfrieren lassen. Also, ab in den Schnee und Zelt oder Iglu errichten, das wärmt. Innen kann man sich bis zur Rettung die Zeit mit Mensch-ärger-dich-nicht oder dem lauten Lesen aus der heiligen Schrift vertreiben. Mit zur Notausrüstung gehören beide.
Pool:
Gehört einerseits zur Grundausstattung der Villa eines Flugkapitäns in einem vornehmen Vorort der Stadt, über die Pilot und Copilot hoch über dem Süd- oder Nordatlantik diskutieren. Andererseits meint Pool, wenn zwei Fluggesellschaften eine Strecke gemeinsam bedienen.
Preboarding:
Es gibt Fluggäste, die haben das Recht, noch vor der großen Masse gesondert an Bord des Flugzeuges gebracht zu werden. Das sind da: Kranke, → VIPs und Mütter mit Kindern.
Pressechef:
Dieser Firmenangehörige verdient das Mitleid Aller. Egal, ob sie Verdienste einer Gusseisenfabrik oder einer Lotteriezetteldruckerei herausstellen müssen, sie stehen immer vor dem gleichen Problem – sie müssen aus der größten Pleite irgendwie einen großen Erfolg machen. Und wenn sie dann doch einmal mit ihrem Hochglanzoptimismus recht haben, dann nimmt es ihnen niemand mehr ab. Vor dem gleichen Dilemma steht auch der Regierungssprecher.
Pünktlichkeit:
Glauben Sie im Ernst, dass die Bemühungen für einen pünktlichen Abflug für den Passagier unternommen werden? Nur der flugplanmäßige Abflug von Frankfurt macht es möglich, dass Sie die erste Floorshow am Nachmittag in New York erwischen. Nein, das pünktliche Abheben dient zur Entlastung des Stationsleiters, der für jede Verspätung einen Bericht schreiben und seine eigene Schuld dabei klein halten muss. Zu Beginn der Verkehrsfliegerei galt ein Flug schlicht und einfach dann als unpünktlich, wenn die Maschine eine Minute zu spät vom Gate abrollte. Irgendein schlauer Public-Relations-Manager kam auf die Idee, Flüge erst dann als verspätet anzusehen, wenn sie später als fünf Minuten abrollten. Schließlich hat die Fluggesellschaft keinen Einfluss auf Versäumnisse der Flughafengesellschaft oder gar der Fluglotsen. Sei es, dass der Luftraum überfüllt ist oder das Stromaggregat zu spät zur Verfügung gestellt wurde. Bald darauf wurde der Spielraum für Verspätungen auf zehn Minuten erhöht. Warum auch nicht: Kann außer den Fluglotsen jemand was dafür, dass diese die Genehmigung zum Anlassen der Triebwerke verweigert, nur weil irgendwo der Luftraum der Strecke über dem Atlantik überfüllt ist? Heute sind Verspätungen des Abfluges von fünfzehn bis fünfundzwanzig Minuten normal und gelten als “pünktlich”. So wird zur Freude der Stationsleiter die Statistik “frisiert”. Der Flugpassagier, der seine Spezial-Massage in Bankok zu spät erreicht, sollte endlich begreifen, dass Verspätung durchaus Pünktlichkeit bedeuten kann, wenn die Statistik der Airline damit Reklame machen kann. Die geschönten Statistiken täuschen nicht darüber hinweg, dass die Zustände desolat sind. Den Vogel dabei schießt der Frankfurter Flughafen ab. Noch nie waren die Verspätungen auf dem Hessischen Luftkreuz so groß. Der mit erheblichen Protesten begleitete Bau der Startbahn West hat längst nicht die Entlastung auf Dauer gebracht. Die Verspätungen haben sich verdoppelt. Der neuste Bau einer Startbahn war von deutlich weniger Protest begleitet.
Purser, Purserette:
Diese Dienststellung ist der christlichen Seefahrt entlehnt und bei den Passagieren ziemlich unbekannt. Die reden eher von der Chefstewardess oder dem Chefsteward obwohl die nicht in die Luft gehen, sondern einen bequemen Büro-Sessel an einem sicheren Schreibtisch im Bürohochhaus der Airline innehaben. Purser und Purserette haben die gesamte Verantwortung für den gesamten Kabinenservice an Bord. Ursprünglich geht die Bezeichnung auf das Wort Purse (Geldbörse) zurück. Auf den Schiffen hatte der Purser die Verantwortung für die Gelder an Bord.In den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte der Flugkapitän eine Geldbörse bei sich, um damit nach dem Tanken das Benzin zu bezahlen. Im Normalfall schickte der Pilot seinen Copiloten oder den Funker damit los. Es gab jedoch Länder, deren Vertreter bei diesem Verfahren tödlich beleidigt waren. In Ländern wie Pakistan, Afghanistan oder Indien wurde das Geld nur vom Captain persönlich angenommen. Als ein Neuling unter den Piloten in Kabul trotzdem seinen Copiloten schickte, wurde der Captain zum Zweikampf mit der blanken Waffe gefordert, was nur durch beherztes Eingreifen des zufällig anwesenden Botschafters verhindert werden konnte.
