V1, VR, V2:
Fachchinesisch in der Startphase. Mit diesen Codewörtern vom Copiloten ausgerufen, wird das magische Reich der Überwindung der Schwerkraft betreten. Es geht um die Abhebegeschwindigkeit eines Düsenflugzeuges und die ist von Windstärke, Windrichtung, Flugzeugtyp, Startgewicht, Temperatur und dem Zustand der Startbahn abhängig. Wenn die Startgeschwindigkeit V1 erreicht ist (Point of no Return), darf der Startvorgang nicht mehr unterbrochen werden. Die verbleibende Länge der Startbahn wäre zu kurz für das Abbremsen der Maschine zum Stillstand. Bei VR wird vom Kapitän das Bugrad angehoben und bei V2 muss das Flugzeug eine Höhe von 35 Fuß (10,66m) erreicht haben. Diese Werte ermittelt vor jedem Start der Copilot anhand von komplizierten Tabellen und unterstützt vom Computer. Zuletzt rechnet der Copilot das Ergebnis noch einmal nach - der Computer könnte sich ja irren. Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser.
Verkehrspilotinnen:
Nach Meinung namhafter Fluggesellschaften will sich kaum ein Passagier von weiblichen Piloten, also Pilotinnen, befördern lassen. Dass eine Frau einen Jumbo-Jet ordentlich fliegen kann, ist manchen in den oberen Etagen der Airlines immer noch suspekt. Doch es hat sich in den letzten zwanzig Jahren ein wenig in den Hirnen der Manager etwas verändert. Wurde das Begehren der Frauen, einen Steuerknüppel im Cockpit in die Hand zu nehmen, als Zumutung angesehen, sitzen heute doch schon einige Pilotinnen vorne in der Kabine. Im Jahr 1985 bewarben sich 450 Frauen bei einer ganz bekannten deutschen Airline für den Pilotenberuf. Im “Spiegel” wurde der zuständige Ausbildungsleiter wie folgt zitiert: “Wir wissen auch, welche Frauen auf keinen Fall eine Chance als Pilotinnen haben: Emanzipierte Frauen mögen wir nicht, die fallen bei uns sofort heraus.” Prompt fielen dann, laut “Spiegel”, alle 450 Frauen durch. Sieht so aus, als hätten sich nur Oberemanzen zur Ausbildung gemeldet. Als dann der Druck der Öffentlichkeit und von Alice Schwarzer von der “Emma” zu groß wurde, stellte man zwei “Emanzen” ein. Plötzlich hatte man in der Vorstands-Etage ein Herz für die Weiblichkeit. Klagen und Proteste waren vorausgegangen. Diese zwei “Alibi-Pilotinnen” wurden dann in firmeninternen Publikationen in Funk und Fernsehen und der Presse wie Filmstars herausgestellt. Heute ist es fast normal, wenn ein Flugzeug von einer Frau geflogen wird. Und das ist weltweit bei jeder Fluggesellschaft jetzt der Fall.
VIP:
Very Important Person. In Lautschrift: Wipp. Der VIP hält sich selbst für eine besondere Person und wird von der Fluggesellschaft auch noch darin bestärkt. Was eigentlich jedem Passagier zustehen sollte, wird ihnen zuteil. Manchmal liest man in Hochglanzanzeigen der Airlines, was den VIP erwartet - nämlich stets zuvorkommende Behandlung, die Erweckung des Gefühls ein willkommener Gast zu sein und so weiter. In der VIP-Lounge werden dem Sondergast Annehmlichkeiten zuteil, von denen der Holzklasse-Flieger nur träumen kann. Getränke aller Art stehen bereit, ausgewählte Bodenstewardessen geben sich jede Mühe eine gastliche Atmosphäre herzustellen. Der → “Durchschnittspax” kennt das nur aus den Werbespots der Gesellschaften. Künstler, Politiker, Sportler, Geschäftsleute und irgendwer aus Funk und Fernsehen zählen sich meistens zu der Gruppe der VIPs. Verblasst wird die exclusive Vorrangstellung aber sofort von den noch weitaus exklusiveren → HONs.
Vogelschlag:
Wenn ein Vogel mit einem Flugzeug in der Luft zusammenprallt, entstehen den Fluggesellschaften durch diese “harten Begegnungen” jährlich Schäden in Millionenhöhe. Das hält die Gesellschaften aber nicht davon ab, Startbahnprojekte, bei denen erhöhter Vogelschlag zu erwarten ist, zu bevorzugen. Die Frankfurter Startbahn West verläuft in Richtung “Mönchbruch”. Ein Gebiet, das früher einmal als Naturschutzgebiet vorgesehen war. Nicht anders ist es am Airport “Franz Joseph Strauß” im Erdinger Moos bei München. In diesem Gebiet leben “heimattreue” Vogelarten. Mit viel Aufwand werden die Vögel von den Kollegen aus Blech ferngehalten.
Vorfeldbus:
Der befördert die Passagiere zwischen dem Terminal und den Flugzeugen, die aus Kostengründen nicht am → Rampenfinger, sondern irgendwo auf dem Flughafengelände stehen. Manchmal ist es aber auch nur eine Überbelastung an den Fingern. Damit die Passagiere während der Fahrt nicht umfallen, wird der Bus so vollgestopft, dass einfach niemand zu Fall kommen kann. Das Gefühl der Sardinendose kommt auf. Außerdem ist es eine psychologische Vorbereitung auf die kommende Enge im Großraumflugzeug. Dann wird der knappe Raum als groß empfunden – trotz mangelnder Beinfreiheit und drangvoller Enge in der Dreiersitzreihe in der Economy-Class.
