Im Nordosten von Teneriffa liegt dieses Gebirgsmassiv mit seinen Lorbeerwäldern, die seit 1994 als “Parque Rural de Anaga” unter besonderen Schutz gestellt wurden.
Das Anaga-Gebirge (span. Macizo de Anaga) erstreckt sich vom Norden hin zum Süden auf einer Breite zwischen fünf und zehn Kilometern und in Ost-West-Richtung auf etwa zwanzig Kilometer Länge. Das Gebirge ist vor sieben bis neun Millionen Jahren durch vulkanische Eruptionen entstanden. Der höchste Punkt ist der Cruz de Taborno mit 1.024 Metern Höhe im Westen und der zweithöchste Berg ist der Chinobre im Osten mit einer Höhe von 909 Metern.
Auf dem Bergrücken werden durch den Nordost-Passat-Wind immer Wolken herbeigeweht, die den Kamm meistens in Nebel hüllen und Regen ablassen. Es ist die feuchteste Region von ganz Teneriffa. Wegen der dauernden Feuchtigkeit, gedeiht der Lorbeerbaum dort prächtig. Bis vor 20 Millionen Jahren waren Lorbeerwälder überall in Europa vorzufinden. Heute trotzen nur noch auf einem Teil der Kanarischen Inseln und Madeira diese Pflanzen allen natürlichen und von Menschenhand hervorgerufenen Klimaveränderungen. Auf Teneriffa ist das Gebiet der Lorbeerwälder noch zirka 20.000 Hektar groß.
Einst waren die Laurisilva-Wälder das Lebensreservoir der Einheimischen. Dort wachsen 21 verschiedene Baumarten und Farne, die ihren Ursprung vor 20 bis 30 Millionen haben. Das Anaga-Gebirge liegt weit vom Festland entfernt und beherbergt Tiere, wie zum Beispiel die Lorbeer-Taube und Bolles Lorbeer-Taube, die es sonst nirgendwo gibt. Der größte Ort im Gebiet ist Taganana mit rund 710 Einwohnern und liegt in Atlantiknähe.
Wer das Anaga-Gebirge durchwandert, sollte einmal auf die dort häufig vorkommenden “Wohnhöhlen” achten. Es sind Wohnungen, die in den Felsen errichtet wurden und an Fassade und Innenausstattung ortsüblicher Einfamilienhäusern ebenbürtig sind. Die meisten findet man in Chinamada und Arfur. Die gut ausgebaute Kamm-Straße wird gerne von Touristen frequentiert. Zahlreiche abgehende Forst-Straßen und Wanderwege führen zu Aussichtspunkten. Beliebte Foto-Motive sind die Felsen bei Almaciga und Las Palmas de Tenerife – besonders lohnenswert ist der Besuch der Roque Bermejo und dem Roque de Anaga, der die nördlichste Spitze von Teneriffa bildet.
Von La Laguna - im Ortsteil Las Canteras - führt die Straße in den Monte de las Mercedes, der als schönstes Gehölz der Insel gilt. Er ist ein Überbleibsel aus dem Tertiär. Dieses Waldland erstreckte sich einst vom ganzen Mittelmeerraum bis nach Asien. Erste Möglichkeit, den Wald zu verlassen, bietet sich nach neun Kilometern am Mirador del Valle de Aguerre. Von hier aus hat man einen schönen Ausblick auf La Laguna und den alles beherrschenden Pico del Teide.
Nicht weit davon kommt man nach Cruz del Carmen. In der kleinen Kapelle steht die Statue der Nuestra Señora de las Mercedes. Dieser von Wald umgebene Aussichtspunkt (920 Meter) gibt die Gelegenheit auf den ausgewiesenen Plätzen zu picknicken und zu grillen.
Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Taborno (1024 Meter). Dies ist die höchste Erhebung im Anaga-Gebirge. Obwohl der Gipfel gesperrt ist, weil er Funkfeuer für den Nordflughafen beherbergt, hat man von dort eine imposante Aussicht.
Weiter geht es zum Mirador Pico del Inglés in 960 Metern Höhe. Von hier aus hat man den Überblick über einen Großteil der Insel. Vorraussetzung ist, dass keine Passatwolke das Panorama verhüllt. Man sagt, dass englische Piraten einen Späher dort oben positioniert hatten, der Signal gab, wenn sich ein Beuteschiff der Insel näherte.
Weiter auf dem Bergkamm, ca. 10 Km, stößt man auf den Mirador del Bailadero . Bei ausbleibendem Regen und Futtermangel trennten die Guanchen die Schafe und Ziegen von ihren Kälbern. Das dadurch ausgelöste Geblöke und Meckern der Muttertiere sollte die Götter dazu zu bewegen, endlich Regen zu schicken. Dieses Ritual war der Grund, für den Ruf des Bailadero als Versammlungsort von Hexen. Heute kommen die Ausflügler, um in den beiden Bars ihren Durst zu löschen.
Von hier aus geht die Fahrt in Richtung San Andrés. Die Fahrt führt eine enge Serpentinenstraße bis herab zu dem kleinen Küstenort. Die Häuser am Hang sehen aus, wie aufeinandergestapelt. Hier hat 1970 die Stadt Santa Cruz den Sandstrand Las Teresitas für die Einheimischen angelegt, der jedoch von Jedermann benutzt werden kann. Besonderheit ist hier, dass es der einzige weiße Strand auf der Insel ist. Aus der Wüste Sahara wurden mit großen Schiffen über 4 Millionen Sandsäcke herangeschafft und damit der weiße Sand aufgeschüttet.
Von San Andrés kann man noch nach Igueste de San Andrés fahren, das in einem Barranco weiter östlich liegt. Die Kirche ist St. Petrus gewidmet. Und hier endet die Straße auch und man muss zurück. Über Santa Cruz, nach 25 Kilometern, erreicht man wieder den Ausgangspunkt La Laguna.










