Garachico – ein Fluch wird wahr

GarachicoEs ist einer der ruhigsten und gemütlichsten Orte auf ganz Teneriffa – die Plaza de Juan González de la Torre im schmucken (Rest) von Garachico. Dabei wäre man vor über 300 Jahren auf der Stelle fast begraben worden.

Im Jahr 1706 mussten die gottesfürchtigen Bewohner alles stehen und liegen lassen, und fliehen. Vor einer Katastrophe, dem fernen Echo der Geburt des Universums. Erbarmungslos floss die Lava bei einem Ausbruch des Teide hinab zur Nordküste direkt in Richtung Garachico. Das Schlachtfeld der Elemente tobte und begrub alles Weltliche unter sich. Der Hafen verlor den Kampf und erholte sich nie wieder.

GarachicoSchon kurz nach der Eroberung durch die Spanier stellte man fest, dass der natürliche Hafen von Garachico perfekt als Umschlagplatz taugte. Nachdem Alonso Fernandéz de Lugo seinen Feldzug beendet hatte, baute man die Hafenanlagen weiter aus und die Stadt entwickelte sich zum wichtigsten Handelszentrum von Teneriffa. Es dauerte nicht lange, bis auch reiche Familien aus Genua das Handelsportal der Insel erkannten. Bald nannte man die Stadt zu deren Ehren auch “Rado del Genoves” (die genuesische Straße).

GarachicoIm 17. Jahrhundert konnte Garachico ihren Reichtum stark vermehren. Die europäische, besonders die englische Nachfrage nach Malvasier Wein trug dazu bei. Für die erste Naturkatastrophe war der Hafen ausreichend gerüstet und bestand sie relativ unbeschadet. Am 11. Dezember 1645 wurde durch heftige Regenfälle in den Bergen ein Erdrutsch ausgelöst, bei dem mehr als 100 Menschen starben und 41 Schiffe im Hafen unter der Steinlawine begraben wurden. Dann im Jahr 1706, eine der “Narices de Teide” (Nüstern des Teide) öffnete sich und schickte einen Strom glühenden Unheils hinab zum Hafen von Garachico. Der war glücklicher Weise so langsam, dass man zu Fuß flüchten konnte und niemand dabei umkam. Hinter den Flüchtenden hatte sich der Strom zweigeteilt. Einer davon verschwand brodelnd und zischend im Hafenwasser und der andere machte sich auf, um das bis dahin schmucke Städtchen unter sich zu begraben. Er leistete ganze Arbeit und verschlang die Kirche, das Kloster Santa Clara, die Paläste und die Lagerhäuser der gut betuchten Geschäftsleute und vernichtete auch noch einen fruchtbaren Landstrich mit Weinbergen sowie Kiefernwälder. Über Nacht wurde aus einer blühenden Landschaft und einer reichen Stadt eine Steinwüste.

Viele Händler sind danach nach Puerto de la Orotava, dem heutigen Puerto de la Cruz oder gleich nach Santa Cruz gezogen. Hauptgrund dafür war ein übelwollender Mönch. Zu der damaligen Zeit hielt sich so gut wie jeder Landbesitzer einen eigenen Geistlichen auf dem Gutshof. Ein solcher Hauspriester, ein Franziskaner, übte eine solche große Macht über “seine” Familie aus, bis er zum gefürchteten Tyrannen wurde. Dem adeligen Hausherren war dieser Zustand ein Dorn im Aug. Er nahm allen Mut zusammen und eröffnete dem Beichtvater, dass er sofort das Grundstück zu verlassen habe. Der packte daraufhin seine Siebensachen und ging voller Groll gegen den Fürsten. Weil die ganze Stadt von seiner Schmach wusste, hasste er diese ebenso. Im Gehen drehte er sich noch einmal um und verfluchte Garachico mit den Worten: “Garachico, pueblo rico. Gastadero de dinero. Mal risco te caiga encima!” (Garachico, reiche Stadt. Verschwenderin des Reichtums. Möge ein böser Stein auf Dich fallen!). Und nur ein paar Tage später brachte der Fluch die brachiale Zerstörung über Garachico. Bis heute hat es sich nicht wieder davon erholt.

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