La Gomera

La GomeraDie Gomeros sind für die Kanarischen Inseln das, was die Ostfriesen für die Deutschen sind. Die Witze über diese Minderheiten sind ähnlich: “Warum hat ein Gomero immer eine leere Flasche im Kühlschrank?” - “Für die Gäste, die nichts trinken.” Unfair sind sie allemal.

 

Wie alle kleineren Inseln der Kanaren war und ist La Gomera durch stetig wechselnde Wirtschaftsphasen gegangen. Nur der ungemein fruchtbare Boden hat La Gomera im Gegensatz zu Fuerteventura weniger darunter leiden lassen. Doch war wegen der landwirtschaftlichen Erzeugnisse wie Kartoffeln, Bananen, Wein und Tomaten kein Platz für andere Wirtschaftszweige und die Dörfer im Inneren der Insel sind fast ausgestorben und nur wenige Alte halten noch die Stellung.

 

Cabildo de La GomeraHeute leben auf La Gomera fast 22.000 Menschen auf zirka 370 Quadratkilometern – das sind etwa soviel wie 1940. Wer Dynamik und Ehrgeiz sein Eigen nennt, der wandert aus. Die Bedächtigen bleiben zurück in der Einöde. Das kann der Grund für die abfälligen Witze sein. Aus dem Cabildo (Rathaus) kommt die Kunde, dass zur Zeit die Einwohnerzahl stabil ist. Andere positive Nachrichten kommen von dort nicht.

 

Nachdem die Fischindustrie im Süden von La Gomera gescheitert ist, versucht man sich im Tourismus, aber der dümpelt so vor sich hin. Weil von den Millionen von Touristen auf der Nachbarinsel die 32 Kilometer Atlantik kaum überqueren, kommen die Leute von Gomera nach Teneriffa – dort wo die vielen Hotels sind und arbeiten eben da.

 

Garajonay-Nationalpark - La GomeraVom Flugzeug ähnelt die kleine Insel einem Kuhfladen – nein, Entschuldigung, eher einem runden Pfannkuchen. Der höchste Punkt liegt in der Mitte der Insel (1487 Meter). Unterteilt ist sie von sechs steil abfallende Hauptschluchten (Barrancos). Im Süden sind die Strände warm und arm an Regen. Im nördlichen Teil ist es grüner und nasser. Es regnet dort mehr. Das zentrale Hochland von La Gomera beheimatet einen Nationalpark, den Garajonay-Nationalpark. Er ist ein moosbedeckter Urwald der seine Feuchtigkeit aus den vorbeiziehenden Wolken bezieht.

 

Christoph KolumbusIn der Geschichte fand die Insel ihren Platz, weil Christoph Kolumbus von hier aus zu seiner zweiten Entdeckungsreise über den Atlantik nach Amerika ausgelaufen ist. Warum Kolumbus sich ausgerechnet von dort aufgemacht hat, ist umstritten. Die einen glauben, es hat an der Gräfin Beatriz de Bobadilla gelegen. Sie war eine vom spanischen Hof verbannte Nymphomanin. Andere sehen das ganz nüchtern. La Gomera war damals der letzte bekannte Ablegehafen zum unbekannten Westen.

 

San Sebastián de La GomeraSan Sebastian de la Gomera ist Hafenstadt und Hauptstadt – der größte Ort der Insel. Es scheint, als hätte sich seit Kolumbus Zeiten nichts geändert. Die Stadt befindet sich im ödesten Teil der Insel und bietet einen wenig einladenden Eindruck. Der “Torre del Conde” (Beatriz-Turm) sieht aus, als wäre er erst gestern fertig geworden. Erst in 15 Kilometer Entfernung beginnt das Eiland interessant zu werden. Von Los Cristianos (Südteneriffa) kommt dreimal am Tag die Fähre und bestimmt den Rhythmus der Stadt. Die wirft Busse, Touristen, Briefe, Zeitungen und Bier aus ihrem Laderaum aus und alles wird auf die ganze Insel verteilt. Die Ankunft einer Fähre erwärmt die Herzen der Gomeros genau so wie ein Schluck Rum aus Venezuela – der wird dort schon zum Frühstück getrunken. Die Fahrpläne der Hauptverbindungen mit den Bussen (Guaguas) nach Vallhermoso und Valle Gran Rey sind an die Ankunftszeiten der Fähren angepasst.

 

San Sebastián de La Gomera mit Blick auf den Teide auf Teneriffa

 

Parador Nacional San Sebastián - La GomeraLa Gomera hat eine beeindruckende Landschaft und es lohnt sich, die Insel, egal ob mit dem Bus, oder mit dem Auto, zu umrunden. Das ist innerhalb eines Tages gut möglich. Wer länger bleiben will, dem sei das Parador Nacional San Sebastián (staatliches Hotel) empfohlen. Das liegt oberhalb des Kais, auf dem Lomo de la Horca - was wörtlich “Galgenhügel” bedeutet – worauf vorher eine Kirche gestanden hat. Es gehört zu den besten Hotels auf den Kanaren und ist oft ausgebucht. Es wurde 1976 gebaut.

 

Insularer Kolonialstil ist dominierend. Die Atmosphäre ist durch großzügige Verwendung von teuren Hölzern elegant. Die Wände sind mit der fast kompletten geometrischen Geschichte versehen. In den Gärten um das Hotel hat man es mit dem Verstreuen von Kieselsteinen etwas zu gut gemeint. Dennoch wachsen dort auch für die Kanaren typische Gewächse.

 

"El Silbo" - La GomeraDie dort arbeitenden Gärtner unterhalten sich mit der Pfeifsprache “El Silbo”. Die war früher weit auf der Insel weit verbreitet und wird jetzt wieder in der Schule gelehrt. Deren Ursprünge sind unbekannt und geben den Wissenschaftlern Rätsel auf. Die Einen behaupten, sie sei schon bei den Ureinwohnern entstanden, um sich im schwer passierbaren Gelände über große Distanzen unterhalten zu können. Andere sagen, dass die Spanier als Conquistadoren den Guanchen die Zungen abgeschnitten hatten um Verschwörungen zu verhindern, aber mit “El Silbo” weiter kommuniziert wurde. Aber egal wie, die Touristen freuen sich über  Vorführungen dieser einmaligen Sprache.

 

Valle Gran Rey - La GomeraDer höchste Gipfel von La Gomera trägt den Namen “Garajonay” und ist 1.487 Meter hoch. Er ist zusammengesetzt aus den Vornamen von Gomeras Romeo und Julia, Jonay und Gara. Die beiden begingen dort oben gemeinsam Selbstmord, weil die Eltern einer Heirat nie zugestimmt hätten. So fanden sie im gemeinsamen Tod ihre Vereinigung. Tragisch!

 

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