Eigentlich heißt die Insel ja mit vollem Namen San Miguel de la Palma. Es gab eine Zeit, da wehte der Nordost-Passat Handels-Galeonen, die sich auf dem Weg von der Iberischen Halbinsel nach Südamerika befanden, zu der Insel. Heute bringt der Wind nur noch Regen und Nebel und die Bewohner freuen sich darüber. Das Nass vom Himmel ist der Garant dafür, dass die Vegetation üppig gedeiht. “La Isla verde”, “die grüne Insel”, wird sie auch deshalb genannt.
Alonso Fernandéz de Lugo hat 1492 die Insel La Palma für die spanische Krone erobert. Bis zum Tode General Francos dämmerte die Insel isoliert vor sich hin. Danach raffte man sich auf und langsam erwachte La Palma aus seinem Dornröschen-Schlaf.
Trotzdem wurde vermieden, dass touristische Sünden, wie sie auf anderen der Kanarischen Inseln begangen wurden, vermieden. La Palma wird mit umsichtiger Hand, ökologisch regiert. Selten sieht man einen Betonbunker. Auffällig ist auch das Fehlen von Reklame-Tafeln nach Verlassen des Flughafengebäudes.
Per Gesetz ist geregelt, dass übermäßig helles und nach oben abstrahlendes Licht in der Nacht verboten ist. Damit soll verhindert werden, dass die Astronomen, die aus aller Welt kommen und auf dem Roque de los Muchachos (2.426 Meter) das Weltall mit Teleskopen erforschen, zu viel “Lichtschmutz” vorfinden. Es ist auch die höchste Erhebung. Der klarste und dunkelste Himmel von ganz Europa ist der von La Palma.
Die Palmeros legen nur halbherzig Wert auf viel Tourismus. Der Schutz der Schönheit ihrer Insel ist ihnen wichtiger. Wer La Palma besucht, der muss ein Auge für die einfachen Dinge haben. Man entdeckt sie und reflektiert das Gesehene in Gesprächen mit anderen, zum Beispiel in einer Bodega mit fest gestampftem Erdboden an einem rustikalen Tisch aus Holz. Abgerundet wird die Unterhaltung bei deftigen Fleisch- und Fischgerichten mit Papas arrugadas (Runzelkartoffeln) und mojo palmero-Soße und tief rotem Rotwein.
Das Aussehen der Insel wird, je nach Stimmungslage des Erklärenden, mit einem Herz oder einer Streitaxt beschrieben.Mit rund 28 Kilometer Breite und 45 Kilometer Länge ist die Insel mit 709 Quadratkilometern Fläche die fünftgrößte des Archipels. Von den 87.000 Einwohnern leben davon ein gutes Drittel in der Hauptstadt Santa Cruz de la Palma. Dominiert wird die nördliche Hälfte der Insel von einem gigantischen alten Vulkankrater, der Caldera de Taburiente. Die Häuser an der Küste sind mit weiß getünchten Häusern bebaut. In den Gärten kann man Geranien und Oleander in den verschiedensten Farben sehen. Haushohe rote Weihnachtssterne und Bananenstauden stehen überall. Weiter oben wird Obst und Gemüse auf Terrassen-Feldern angebaut. Viele der Ländereien liegen brach und sind ihrem Schicksal überlassen. Auf der Suche nach einem einträglichen Job wandern viele Palmeros auch heute noch nach Venezuela oder auf das spanische Festland aus.
Die Kiefer- und Lorbeerwälder haben ihren Lebensraum in den mittleren Berglagen. In der Ferne kann man felsige Gipfel erkennen. Im Sommer sind sie mit blühenden Sträuchern bewachsen und im Winter sind die Berge ganz oben schneebedeckt. Auf La Palma ist die vulkanische Tätigkeit noch ziemlich bemerkbar . Die letzten Eruptionen sind noch jung. Der Volcano de San Juan ließ 1949 Lava fließen und am 26. Oktober 1971 hat der Teneguia mit Eruptionen die Menschen daran erinnert, dass die Zeit der Vulkane auf La Palma noch nicht zu Ende ist.
