Eine Urlaubsreise mit All-inclusive Tarif zu buchen, erscheint vielen Verbrauchern als die beste Möglichkeit, die Reisekosten unter Kontrolle zu halten. Doch lohnt sich All-inclusive immer und für jeden? Hier erklären wir Ihnen, was man bei dieser Verpflegungsart bedenken sollte und wer mit Frühstück oder Halbpension günstiger fährt.
All inclusive (deutsch: “Alles inbegriffen”) bezeichnet die Art der Verpflegung in Form einer Pauschale während des Aufenthalts am Urlaubsort. Normalerweise in einer Hotel-Anlage. In Reiseunterlagen wird All-inclusive oft mit AI abgekürzt. Schon Ende des 19. Jahrhunderts gab es erste zaghafte All-Inclusive-Urlaubsreisen, durchgeführt von einem Reiseveranstalter in Berlin. Angeboten wurde eine Weltreise zu einem Pauschalpreis, in dem sowohl Unterkunft sowie die Verpflegung enthalten waren.
Als der wirkliche All-inclusive-Erfinder gilt jedoch Gérard Blitz, ein Belgier. In Kooperation mit dem Touristik-Unternehmen “Club Med” bot er Reisenden Urlaub in Zeltdörfern auf Mallorca an. Das völlig neuartige Angebot beinhaltete Essen, Tischwein, Sport und sogar Animationsprogramme. Gegen Ende der 1990er Jahre boomte All-inclusive vor allem in der Dominikanischen Republik inflationsartig. Der Grund dafür war die damals noch kaum ausgebaute Infrastruktur der Karibikinsel. Wegen der auf diese neuartige Weise gesicherten Verpflegung wurde die Dominikanische Republik zu einem attraktiven Reiseziel. Auf Teneriffa findet man All-inclusive-Angebote hauptsächlich im Süden der Insel.
Keine Schnäppchen-Garantie
Auf den ersten Blick sind All-inclusive-Reisen sehr attraktiv, aber nicht immer reist man mit ihnen am günstigsten. Vor der Buchung sollte man sich ein Bild davon machen, was man von seinem Urlaub erwartet, welche Freizeitaktivitäten eingeplant sind und wie ein normaler Tagesablauf in den Ferien vonstattengehen soll. Nur so lässt sich ausrechnen, ob man eventuell mit Halbpension oder Übernachtung mit Frühstück günstiger fährt.
Normalerweise sind bei einer AI-Buchung die Kosten für alle Mahlzeiten sowie ortsübliche alkoholfreie und alkoholische Getränke im Preis inbegriffen. Bereits an dieser Stelle sollte man sich genau mit den Katalog-Angaben des Reiseveranstalters beschäftigen, weil es keine allgemeingültige Regeln, was alles im All-inclusive Angebot enthalten sein muss, gibt. Es gibt keine DIN-Norm dafür. Hie und da werden alkoholische Getränke nur bis 22:00 Uhr gratis ausgeschenkt. Nicht jedem schmeckt das ortsübliche Bier. Welche Leistungen im Preis enthalten sind, entscheiden Hotels und Veranstalter selbst. So ist damit zu rechnen, dass die Auswahl an Essen und Trinken für AI-Urlauber begrenzt ist. Wer also à la carte speisen möchte, oder sich zum Dinner gerne ein Glas Wein der gehobenen Kategorie gönnt, muss diese Sonderwünsche extra und oft teuer bezahlten. Unterschiede gibt es auch bei dem im Katalog angepriesenen Animations- und Sportangeboten. Diese sind von Veranstalter zu Veranstalter, von Hotel zu Hotel oder auch von Ferienort zu Ferienort oft sehr unterschiedlich.
Die große Freiheit?
Besonders für Familienurlauber mit Kindern bietet das “Rundum-Sorglos-Paket” einige Vorteile. Die Kosten für die Ferien hat man dank des festen Preises recht gut unter Kontrolle. Spontane Wünsche der Kinder, wie ein Getränk oder einen Snack, lassen sich mit dem All-inclusive Bändchen am Handgelenk im Nu erfüllen, ohne dass nach dem nötigen Kleingeld gesucht werden muss. Das sorgt für gut gelaunte Kids und meist entspannte Eltern. Diese Freiheit hat auch gewisse Nachteile. Nicht alle Eltern sind damit einverstanden, wenn der Sprössling sich ungefragt ein Eis nach dem anderen selbst organisieren kann. Oft knüpft man via All-inclusive beim gemeinsamen “Essenfassen” am Buffet schnell Kontakte zu anderen Mitreisenden. Beim gemeinsamen Essen oder bei vom Hotel veranstalteten Freizeitaktivitäten kommen sich große und kleine Gäste in geselliger Atmosphäre schnell näher.
Wie soll mein Urlaub aussehen?
Genauso spielt die Infrastruktur des Urlaubsortes eine wichtige Rolle. Braucht man einen Mietwagen? Findet man sich in der ausgewählten Hotelanlage weitgehend abgeschnitten von Ortschaften, Restaurants und Bars wieder. Dann ist All-inclusive angesagt: Keine weiten Wege innerhalb der Ferienanlage, jederzeit, aber in der Zeit beschränkt,(ortsübliche) Getränke und (ortsübliches) Essen in Sichtweite, keine umständliche Suche nach einem Restaurant, die Freizeitgestaltung steht bereits im Voraus fest. Vor allem, wenn das Hotel nicht in unmittelbarer Nähe zu Ortschaften und Restaurants gelegen ist, ein großer Vorteil. Oft ist es Absicht, dass die Hotel-Anlage in der Wildnis angesiedelt ist. Ebenso ist es ratsam, sich über die Preise für Essen und Freizeitgestaltung am Urlaubsort zu informieren. Ist es möglich, auch außerhalb der Hotelanlage gut und günstig zu essen? All-inclusive ist schließlich keine Garantie, dass das angebotene Essen auch mundet. Die meisten Beschwerden der “Al-inclusivler” drehen sich um die Qualität der Verpflegung. Wer also gut und abwechslungsreich essen will, oder sich am Ferienort auf kulinarische Entdeckungsreise begeben möchte, zahlt mit AI drauf.
Bei einer All inclusive Reise ist ebenfalls zu bedenken, dass man sich in großen Teilen für die Zeit des Aufenthaltes an die Hotelanlage bindet, denn nur so lohnt sich das Angebot. Nicht jeder möchte das. Viele Reisende genießen es besonders, Land und Leute kennenzulernen, Ausflüge zu unternehmen und nicht wie sonst das ganze Jahr an feste Zeiten für Unterhaltungsprogramm sowie Essen und Trinken gebunden zu sein. Wer hingegen vorwiegend ausspannen, am Pool relaxen und keine großen Unternehmungen auf eigene Faust unternehmen möchte, ist mit AI gut beraten.
Eine Frage der Nachhaltigkeit
Auch was All-inclusive an Negativem für das Reiseland bedeutet, könnte unter Umständen Einfluss auf die Entscheidung haben. Die Wirtschaft wird im Reiseland so nicht angekurbelt. Nicht nur Gastronomiebetriebe und der Handel im Urlaubsort haben die Konsequenzen zu tragen und müssen mit finanziellen Einbußen rechnen, sondern beispielsweise auch die Taxidienste oder die Ausflugs-Unternehmen. Touristen unterstützen die Wirtschaft im Urlaubsland mit All-inklusive Buchungen nachweislich kaum. Zudem werden sie so um ein authentisches Urlaubserlebnis gebracht - die Kultur und die Gepflogenheiten des Landes erlebt man mit All-inclusive sicher nicht. Wer solche Erlebnisse zu schätzen weiß, sollte sich also genau überlegen, was er bucht.
All Inclusive - nicht für jedermann
Ohne Zweifel: All- inclusive wurde in den letzten Jahren immer beliebter. Es gibt aber auch eine Gegenbewegung zum Rundum-Sorglos-Paket. Immer mehr Reiseveranstalter erkennen, dass es einen nicht minder großen Trend hin zu individuelleren Reiseformen gibt - auf Teneriffa, zum Beispiel wird die ländliche Unterkunft, zum Teil in alten historischen Gemäuern, immer beliebter. Dennoch kann sich ein AI-Urlaub durch sichere Kostenkontrolle besonders für Familien mit Kinder rechnen. Zu bedenken ist bei diesem Verpflegungsmodell immer, ob sich der Preis tatsächlich lohnt. Wenn man seine Ferien nicht mit Essen und Aktivitäten so gut wie ausschließlich in der Hotelanlage verbringen möchte, könnte AI unter Umständen kostspieliger sein, als zum Beispiel die Halbpension oder Übernachtung mit Frühstück. Man ist gut beraten, wenn man genau darauf achtet, welche Leistungen zu welchem Preis im Paket enthalten sind. Es gibt keine einheitlichen Standards für All-inclusive. Ein sorgfältiger Preisvergleich zahlt sich also in jedem Fall aus.
