Tipps für Diabetiker im Urlaub

Gut gerüstet in die Ferien

Jetzt beginnt wieder die Urlaubszeit. Unter den Urlaubern sind auch viele Menschen mit Diabetes und auch die packt die Lust, ihre Koffer zu packen. Reiseziele nah und fern sind im Übermaß vorhanden. Damit Sie als Diabetiker Ihren Urlaub vom ersten bis zum letzten Tag ohne Einschränkung genießen können, bedarf es jedoch einer ordentlichen Vorbereitung und einer optimalen Ausrüstung.

 

Vieles ist zu bedenken:

Sie sollten z.B. Ihre Diabetiker-Reiseapotheke immer im Handgepäck mit sich führen. Nicht selten trifft ein aufgegebenes Gepäckstück erst Tage später am Urlaubsort ein. Desweiteren ist es bei Reisen ins Ausland empfehlenswert, sich schon vorab über Adressen von deutschsprachigen Ärzten am Urlaubsort zu informieren. Und vergessen Sie bitte auch nicht, einen mehrsprachigen Diabetiker-Ausweis mitzunehmen.

Bei aller Vorfreude auf den Urlaub ist ein langer Flug oftmals kein reines Vergnügen. Das lange, beengte Sitzen, viel Essen und Trinken sowie die Verlängerung oder Verkürzung von Tag und Nacht bedeuten eine ungewohnte Belastung.

Lassen Sie sich nicht durch das oft kalorienreiche Essen an Bord verführen. Trinken Sie viel, jedoch möglichst keinen Alkohol. Ihr Kreislauf wird es Ihnen danken.

 

Der Flug zum Urlaubsort

Bei längeren Flügen drohen durch die geringe Bewegung Thrombosen und weitere Folgen, die Sie vermeiden können.

Hier einige Tipps:

  • Wählen Sie einen Platz am Gang
  • Bewegen Sie sich: regelmäßig aufstehen und auf und ab gehen
  • Trinken Sie reichlich, am besten Mineralwasser
  • Tragen Sie bei Bedarf Stützstrumpfhosen
  • Anpassung von Insulin und Tabletten bei Fernreisen

Bei Fernreisen kommt durch die mögliche Zeitverschiebung leicht der Einnahme- bzw. Spritz-Rhythmus durcheinander. So passen Sie sich am besten an die Ortszeit an:

 

Anpassung der Tabletten:

Typ-2-Diabetiker, die orale Antidiabetika nehmen, können ihre gewohnte Dosis nach der jeweiligen Ortszeit einnehmen. Bei einem längeren Flug nach Westen, bei dem es zu einer Verlängerung des Tages kommt, ist die Einnahme hinausgezögert. Bei Flügen Richtung Osten ist der Tag und damit auch die Tabletten-Einnahme verkürzt. Am leichtesten kann der Blutzucker durch eine dementsprechende leicht verringerte oder erhöhte Nahrungsaufnahme normal gehalten werden. Zur Sicherheit aber den Blutzucker bestimmen.

 

Anpassung des Insulins:

Eine Anpassung der Diabetesbehandlung, besonders der Insulintherapie, auf die Verlängerung oder Verkürzung von Tag und Nacht ist selbstverständlich möglich. Dazu gibt es allgemeine Regeln und individuelle Empfehlungen, die Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen. Besonders einfach haben es Insulinpumpenträger, die eine individuelle Basalraten-Anpassung durchführen können.

 

Faustregel:

Verlängert sich ein Tag beträchtlich, brauchen Sie mehr Insulin – evtl. eine zusätzliche Injektion. Umgekehrt verringert sich die Insulindosis – womöglich um die ganze Abend-Insulinmenge – wenn sich durch die Flugrichtung der Reisetag stark verkürzt.

 

Ost-West-Flüge:

Der Tag verlängert sich z.B. 6 Stunden, d.h. um 25% . Der Insulinbedarf steigt entsprechend.

 

West-Ost-Flüge:

Der Tag verkürzt sich z.B. um sieben Stunden, d.h. um knapp 30%; der Insulinbedarf ist an diesem Tag entsprechend vermindert.

 

Wichtig für alle insulinpflichtigen Diabetiker, die während der Zeitverschiebung ihre Insulinmengen anpassen müssen, bleibt die Blutzuckermessung. So können Sie ansteigende oder abfallende Blutzuckerwerte erkennen und durch die Insulinanpassung abfangen.

 

Darf Diabetiker-Zubehör an Bord?

Seit den Ereignissen vom 11. September 2001 gelten verschärfte Sicherheitsmaßnahmen im Flugverkehr. Spitze Gegenstände gelten als potentielle Tatwerkzeuge und dürfen nicht mehr mit an Bord gebracht werden. Für Diabetiker stellt sich die Frage, ob Spritzen zur Insulingabe oder Lanzetten zur Blutzuckerkontrolle weiterhin mitgenommen werden dürfen. In den USA erließ die Amerikanische Luftfahrtbehörde Sonderbestimmungen bei Inlandsflügen für Fluggäste mit Diabetes.

 

Die American Diabetes Association (ADA) hat auf ihrer Website die aktuell geltenden Sicherheitsbestimmungen der amerikanischen Federal Aviation Administration (FAA) zusammengestellt, die Diabetes-Patienten kennen sollten, wenn sie innerhalb der USA per Flugzeug reisen wollen.

 

Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Hinweise der ADA:

Diabetes-Patienten mit Spritzen oder Insulinpumpen dürfen nur dann an Bord, wenn ihr Insulin mit einem Original-Etikett versehen ist, welches die Medizin eindeutig ausweist. Von dieser Regelung werden keine Ausnahmen gemacht. Da sich der Rezept-Aufdruck seit neuestem auf der Verpackung des Insulins befindet, wird den Passagieren empfohlen, die Insulinflaschen nicht auszupacken, sondern in ihrer Originalverpackung zu lassen. Der Rezept-Aufdruck befindet sich seit neuestem auf der Verpackung und wird beim Auspacken beschädigt.

Passagiere, die ihren Blutzucker testen müssen, aber kein Insulin benötigen, können an Bord, wenn die benötigten Lanzetten original verpackt sind und ein Blutzuckermessgerät mitgeführt wird, auf dem der Herstellernamen sichtbar ist.

 

Glukagon-Kits müssen sich in ihrem unversehrten und original mit Etikett versehenen Behältnis befinden.

Rezepte und Briefe, in denen die notwendigen Medikamente aufgeführt sind, reichen nicht aus, um die Person als Menschen mit Diabetes zu charakterisieren.

Diese Sicherheitsmaßnahmen gelten zurzeit nur für Flugreisen innerhalb der USA. Passagieren wird empfohlen, sich vor Abflug bei Inlands- und Auslandsflügen bei der jeweiligen Fluggesellschaft zu informieren, da diese Maßnahmen von Fluggesellschaft zu Fluggesellschaft verschieden sein können.

 

Europäische Sicherheitsrichtlinie seit November 2006 in Kraft

Auch die Wartezeiten am Flughafen für Menschen mit Diabetes können sich unter Umständen etwas verlängern. Grund ist eine neue europäische Sicherheitsrichtlinie, die die Mitnahme von Flüssigkeiten im Handgepäck verbietet. Seit dem 6. November 2006 dürfen flüssige Produkte nur noch bis zu einer Füllmenge von 100 ml an Bord mitgenommen werden. Außerdem müssen sie bei der Sicherheitskontrolle - verpackt in einen wieder verschließbaren Plastikbeutel - vorgezeigt werden.

 

Gut vorbereitet sind Sie, wenn Sie sich diese Beutel im Vorfeld, beispielsweise in einem Supermarkt oder einem Drogerie-Markt, besorgen und so Ihr Insulin für das Handgepäck “reisefertig” machen. Pro Person darf ein Beutel dieser sog. “Zipper” mit maximal einem Liter Fassungsvermögen mitgeführt werden. Das Centrum für Reisemedizin (CRM) rechnet vor allem mit Problemen bei insulinpflichtigen Diabetikern. Zwar dürfen auf allen Flügen benötigte flüssige Medikamente in die Flugkabine mitgenommen werden. Reisende müssen aber den Nachweis erbringen, dass sie auf die Medikamente angewiesen sind. Dem Sicherheitspersonal ist ein Rezept oder eine Verordnung vorzulegen, die auf den Namen des Reisenden ausgestellt ist. Das CRM rät, sich zusätzlich ein ärztliches Attest zu besorgen. Die neue Sicherheitsrichtlinie gilt auf allen Flügen innerhalb der Europäischen Union und der Schweiz, bei Inlandsflügen, sowie auf Anschlussflügen ab europäischen Flughäfen.

 

Blutzuckermessen unter extremen Bedingungen:

Die Blutzuckerbestimmung mit Hilfe von Teststreifen ist eine chemische Reaktion, die an bestimmte Temperaturen gebunden ist. Der optimale Bereich für eine korrekte Blutzuckerbestimmung liegt zwischen 15 – 35°C.

Deshalb sollten Sie bei höheren bzw. niedrigeren Temperaturen gewisse Vorsichtsmaßnahmen treffen, um einen korrekten Blutzuckerwert zu messen.

 

Messen bei Kälte:

Für einen optimalen Schutz gegen Minustemperaturen sollten Sie das Messgerät und die Teststreifen immer dicht am Körper tragen. Dann wird das Gerät durch die Körpertemperatur aufgewärmt. Falls Sie im Freien messen müssen, führen Sie die Messung sehr rasch durch, möglichst im Windschatten. So erreichen Sie ein sicheres Messergebnis.

 

Messen bei Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit:

Wenn an Ihrem Urlaubsort sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, öffen Sie die Dose mit den Testreifen nur ganz kurz. Nach Entnahme des Streifens sofort wieder fest verschließen.

 

Messen in großen Höhen:

Auch während einer Bergtour arbeitet Ihr Blutzuckermessgerät genau. Mit steigender Höhe nimmt der Luftdruck ab und damit auch der Partialdruck des Sauerstoffs. Dies bedeutet, dass weniger Sauerstoff in der Luft vorhanden ist. Das hat aber keinen Einfluss auf die Messgenauigkeit der Teststreifen. Denn die Blutzuckerbestimmung wird mit Systemen durchgeführt, die ohne Mitwirkung von Sauerstoff ablaufen. Sie können also beruhigt mit Ihrem Blutzuckermessgerät auf Wanderschaft gehen.

 

Für Notfälle gerüstet:

Bei Fernreisen stellt sich vor der Zollkontrolle für viele immer wieder die bange Frage: Gibt es Schwierigkeiten wegen des Diabetiker-Zubehörs?

Mangelnde Sprachkenntnisse machen eine Verständigung oft schwer. Deshalb ist es ratsam, sich vor Reiseantritt ein mehrsprachiges Attest des behandelnden Arztes ausstellen zu lassen. Darin sollte bescheinigt sein, dass Sie Insulin spritzen und Blutzucker messen müssen und deshalb das entsprechende Zubehör brauchen.

Seien Sie auf Reisen zurückhaltend mit Spritzen und Messen in der Öffentlichkeit. Es ist nicht überall üblich und könnte falsch verstanden werden.

 

Deutsche Vertretungen im Ausland:

Wenn im Ausland eine Notsituation eintritt (z.B. ein Autounfall, Diebstahl, schwerer Krankheitsfall) ist es oft schwer einen Ansprechpartner zu finden, der  bei Problemen hilft und vor Ort zwischen den Parteien vermittelt. Wir  stellen Ihnen hier eine nützliche und wichtige Internetadresse vor:

www.auswaertiges-amt.de

Dort finden Sie eine Liste von Internet-Adressen deutscher Botschaften im Ausland von “A” wie Ägypten, bis “Z” wie Zypern.

Eine noch ausführlichere Liste von deutschen Auslandsvertretungen (Konsulate, Botschaften und mehr…) finden Sie als PDF-Download im unteren Bereich links auf der Seite des auswärtigen Amtes.

 

Wir hoffen, wenn Sie nach Teneriffa kommen, dass ihr Urlaub einen harmonischen Verlauf haben und frei von gesundheitlichen Problemen sein wird.

 

Teneriffa Information

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