Nachdem Spanien sich 1496 Teneriffa in Weltreich einverleibt hatte, erhielt der Eroberer Alonso de Lugo vom spanischen König das Privileg, Wasserrechte und Landbesitz zu vergeben. Die Teilnehmer am Feldzug, darunter waren auch Einheimische von Gran Canaria, die in der Zwischenzeit auf der Seite der Eroberer kämpften, Auswanderer vom Festland und Guanchen, die sich rechtzeitig unterworfen hatten, konnten – die Gunst Lugos vorausgesetzt - Landbesitz erwerben.
Erbteilungen, Schenkungen und Verkauf hatten zur Folge, dass im Lauf der Jahrhunderte den Landbesitzern nur noch kleine Parzellen übrig geblieben sind. Damit die Wasserversorgung für alle gesichert war, gründete man Genossenschaften (Heredades) – ein Zusammenschluss von Grundbesitzern, der die Verteilung des Wassers regelte.
Bis zur Mitte des vorletzten Jahrhunderts genügten noch natürliche Quellen. Um 1840 legte man in der Nähe von La Orotava die erste Galería an. Den ersten waagerecht in den Berg getriebenen Stollen, der dazu diente, eine Kammer, die mit Sickerwasser gefüllt war, anzuzapfen. Das Bodenrecht trennte sich vom Wasserrecht. Das Erschließen neuer Galerías war sehr kostenintensiv. Kapitalgesellschaften, die teilweise vom Staat unterstützt wurden, übernahmen die Wassergewinnung. Die Anteile wurden an die Interessenten verkauft. Wenn dann das Wasser floss, wurde es je nach Anzahl der Anteile Zugeordnet.
Nicht jeder Aktienkauf war von Erfolg gekrönt – so manche Galería brachte nur ein kleines Rinnsal an Wasser. Die betonierten Verteiler-Kanäle oder Rohre, die das Wasser zu den Grundbesitzern leiten, werden von den Gesellschaften verwaltet. Dort wird es in großen Behältern aufgefangen. Hat ein Aktionär mehr Wasser als er braucht, kann er es verkaufen. Man kann mit Wasser spekulieren. Die Sozialisten auf Teneriffa unternahmen verschiedene Versuche, das Wasserrecht zu verstaatlichen – vergeblich.
Gegenwärtig durchziehen mehr als 1.600 Kilometer Stollen die Insel. Die täglich daraus gewonnene Menge an Wasser beträgt mehr als 1,2 Millionen Pipas (1 Pipa= 480 Liter). Dazu kommen noch pro Tag 130.000 hl Wasser, das mit Windkraft und Dieselmotoren aus 300 Metern Tiefe aus rund 250 Brunnen an die Oberfläche geholt werden. Auch die Entsalzung von Meerwasser gewinnt immer mehr an Bedeutung. Bisher kann die Insel jedes geforderte Wasser liefern - das ist aber kein Grund, nicht alle Möglichkeiten der Einsparung von Wasser auszuschöpfen.
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Weil ihm das milde Klima auf Teneriffa gesundheitlich sehr zugute kam verließ im Jahr 1900 der bekannte Bankier Jacob Ahlers Deutschland für immer. Sein neues Tätigkeitsfeld auf der Insel waren der Import und der Export. Per Schiff brachte er Waren nach Süden, ließ sie auf Maultiere verladen, die sie dann in die Hochtäler zu den abgelegenen Fincas brachten. Hauptsächlich importierte er Verpackungsmaterial und Düngemittel und nahm im Tausch Zucker und Mandeln entgegen. Einer seiner Kunden wurde zahlungsunfähig und übereignete Ahlers ein Stück Land an der Küste von San Juan. Die Ländereien in der Gegend um San Juan sind ohne Wasser und damit wertlos. Der Sohn von Ahlers, Ulrich, erkannte, dass es eine Möglichkeit geben müsste, Wasser in den trockenen Süden zu leiten. Eigentlich sollte Ulrich wie der Vater den Bankiersberuf ergreifen – er ignorierte das Ansinnen des Vaters und wurde Pflanzer und gründete eine Finca. Dann, 1932, wurde dann schließlich der Stollen zur Galería al Niagara angelegt, der bis 1976 Tag für Tag 173 m³ Wasser lieferte. Die weitere Bohrung in die Tiefe des Berges bis auf 3.022 Metern Länge brachte 1.925 m³ Trinkwasser täglich. Ulrich Ahlers leitete bis zu seinem Tode 1990 die Geschäfte der Galería, wovon 20 Prozent im Besitz der Familie sind.
Die Nutzung und Verwaltung von Wasserquellen unterliegt auf Teneriffa keinen staatlichen Institutionen; deshalb haben sich seit den 30er Jahren Aktiengesellschaften gegründet, die sich um die Wassergewinnung kümmern. Geologische Messungen und ein gewisser Erfahrungsschatz lassen Stellen von eventuell vorhandenen Wasserblasen oder Wasserströme im Vulkangestein vermuten. Danach werden Geldgeber gesucht, die den Bodenkauf und die anschließenden Bohrungen finanzieren.
Am Anfang werden Stollen (Galerías) horizontal in den Berg getrieben. Damit will man an die von Ganggesteinen umgebenen Wasserkammern kommen. Diese Gänge sind etwa 1.500 Meter und schräg angelegt, damit das bereits gewonnene Wasser in einer seitlichen Rinne abfließen kann. Den anfallenden Schutt brachten Loren, die von Maultieren gezogen wurden, nach draußen. Zum Überleben der Arbeiter wurden mittels Pumpen Sauerstoff ins Innere gepumpt. Immerhin ist man schon über vier Kilometer in den Vulkan vorgedrungen, um Sickerwasser-Bestände zu erschließen. Zwischen den einzelnen Galerías besteht eine Schutzzone von einem Kilometer. Das soll verhindern, dass man sich gegenseitig das Wasser abgräbt. Ein Bohrmeter kostet im Schnitt 1.700 Euro und es kann vorkommen, dass man auf eine Kammer trifft, die nur wenig Wasser führt.
Der stetige Zuwachs im Tourismussektor entfachte eine Diskussion über die Wasserversorgung auf Teneriffa. Neben den Hotels sind die Bananen-Plantagen die größten Verbraucher des wertvollen Trinkwassers. Inzwischen haben die meisten Bananen-Anbauer auf Sprühsysteme umgestellt, die das Wasser tropfenweise zur Wurzel führen und sparen damit 50 Prozent Wasser ein. Viele der Hotels haben sich Wasseraufbereitungs-Anlagen zugelegt und verwenden das kostbare Nass mehrfach. Nach einer aktuellen Satelliten-Aufnahme fließen 70 Prozent des versickernden Wassers immer noch ungenutzt ins Meer. Deutlich kann man die Süßwasser-Ströme aus dem All erkennen, die sich aus unterirdischen Kanälen in den Atlantik ergießen. Es lohnt sich also immer noch weiter zu bohren.
Andererseits ist der Grundwasserspiegel in Gebieten mit intensiver Nutzung, d.h. in den stark frequentierten Urlaubsorten, am Sinken. Ein Ausgleich durch das Sickerwasser aus den darüber liegenden Höhlen im Vulkan ist nicht möglich. Es bestehen keine Verbindungen. Wo in Küstennähe, besonders im Süden der Insel, das Grundwasser sinkt, strömt Salzwasser nach. Diese salzhaltige Mischung muss dann Aufwändig wieder genießbar gemacht werden. Der Preis für den m³ guten Trinkwassers steigt stetig.
Mittlerweile können sich viele kleine Bauern das Wasser nicht mehr leisten. Sie arbeiten sich den Buckel krumm und haben trotzdem kein ordentliches Auskommen. Die Folge war, vor der Krise, dass die Landwirte ihr Land an Spekulanten verkauften. Diese errichteten darauf große Apartment-Komplexe, die die Zersiedelung der Landschaft vorangetrieben hat. Ein Teil der Einheimischen hat Angst vor einer Überfremdung, die von konservativen Parteien für ihre Ziele benutzt wird. Im Laufe der Zeit hat die Inselregierung ein Großprojekt angestoßen, das die Wasserverbesserung im Süden vorantreibt. Das geklärte Abwasser zum Beispiel von Santa Cruz de Tenerife und La Laguna wird per Kanalisation in trockene Gegenden wie im Norden nach Valle de Guerra und im Süden nach Güímar sowie San Miguel und noch weiter zur Bedarfsdeckung der Landwirtschaft gepumpt. Das hat das Gießwasser immerhin über 30 Prozent billiger als das Trinkwasser gemacht.
