Vamos a la Playa

Playa Jardín in Puerto de la CruzDas war vor vielen Jahren mal ein Sommer-Hit und wurde auch in den Cafés und Bars von Teneriffa gespielt und eine Werbeagentur textete für eine gratis Landkarte von Teneriffa: “Ein breit protziges Band säumt die Küste wie eine protzige Kette, die ein Schmuckdieb seiner Geliebten um den Hals gelegt hat”.

Auf der Insel angekommen, entdeckt man schnell, dass alles, was nicht als “Punta” auf der Karte eingezeichnet ist, als “Playa” bezeichnet wird. Nimmt man das Mittelmeer als Vergleich, stellt man fest, dass Teneriffas natürliche Strände meist nur ein kurzer Küstenabschnitt, bedeckt mit Kieselsteinen, unter die sich manchmal ein paar Flecken schmutzig gelben Sandes mischen. Viele Touristen wundern sich darüber, wie man aus so wenig Strand ein so großes “Sonne-Meer-Urlaubswunder” machen konnte. Die Antwort findet man bei dem damaligen Genie der Inselplaner, die seit etwa fünfzig Jahren rund um die Insel künstliche Strände angelegt und Schwimmbäder aus Buchten und Felsen gezaubert haben.

Anfangs waren die Strömungen ein zu lösendes Problem. Diese sorgten zwar für den steten Austausch des Wassers und erzeugten Wellen, die jedoch den Badespaß unsicher machten. Gelöst wurde das “Übel” indem man Meerwasser-Pools anlegte. Diese wurden durch Felsbrocken und Zement von der Küste abgetrennt. Einer der ersten Pools entstand vor dem Hotel Europe in Playa de las Américas. Etwas später erst wurde das von César Manrique entworfene Freibad “Lago Martiánez“, das mit Meerwasser gespeist wird, verwirklicht und den althergebrachten Strand überflüssig erscheinen lässt. Für die, die einen echten Strand bevorzugen, gibt es gleich daneben einen Naturstrand.

Playa de Las Teresitas - Santa CruzEin weiteres Problem, das auf eine Lösung wartete, war der Mangel an Sand. Innerhalb kurzer Zeit wurde im Norden der Insel der feine schwarze Lava Sand ausgewaschen und es blieben Kieselsteine zurück. Im Süden dagegen, wird der Sand vom Wind landeinwärts getrieben und die erwartete goldgelbe Farbe, die durch Muscheln und Quarz entsteht, wird vermisst. Die aufsehenerregende Lösung aller Probleme war 1970 die Konstruktion der Playa de Las Teresitas, im Norden von Santa Cruz de Tenerife. In aller Eile verbrachte man über 100.000 Kubikmeter goldgelben Sahara-Sand auf die Kieselsteine und verhinderte mit Wellenbrechern aus Felssteinen, dass sich der Atlantik die Pracht gleich zurückholt. Die Aktion war derart Kostenintensiv, dass man von weiteren Unternehmungen dieser Art Abstand genommen hat. Die Werbeleute auf der Insel ließen sich einfach etwas Neues einfallen und erfanden ein neues Image: Der schwarze Vulkan-Sand wurde als “vulkanisch und ungewöhnlich” verkauft – das liegen auf schwarzem Sand sei unkonventionell. Außerdem sei der Vulkansand eisenhaltig und Radioaktiv - das sei gesundheitsfördernd.

Playa El Bollullo - La OrotavaHeute sind die “neuen, gesunden” Strände oft so überfüllt, dass es nicht einfach ist, ein Plätzchen für sich zu finden. Mit Erstaunen stellt man fest, dass sich die Urlauber heutzutage überall hinlegen, solang die Sonne dahin scheint. Es stört sie nicht im Geringsten, dass die Playa erst halbfertig, ja eine Baustelle ist und Planierraupen vorbeidonnern.

Dann gibt es auch die Urlauber, die auf der Suche nach Einsamkeit sind und die Bemühungen der Planer ignorieren, indem sie unentdeckte Flecken suchen – und auch finden. Teilweise unter Lebensgefahr klettern sie an Felswänden entlang, um an idyllische Kieselstrände zu gelangen. Ganze Großfamilien fallen über abgelegene Buchten her und verschrecken Alternative und Nudisten.

Neuerdings hat man Las Teresitas aufgewertet durch eine gründliche Renovierung und in der Hauptstadt Santa Cruz de Tenerife ist das neue Freibad in Betrieb. Die meisten “Strandhersteller” haben sich wieder alten Künsten zugewandt. Sie bauen wieder Wellenbrecher. Aus den Bergen werden Riesen-Felsen geholt und so geschickt im Atlantik platziert, sodass sich der Sand von ganz allein in den geschützten Ecken ansammelt. Lange dauert es dann nicht, bis die Touristen dem Sand auf den Fersen folgen.

Teneriffa Information

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