- der Kanaren und der Insel Teneriffa
Vor etwa 10 Millionen Jahren tauchen die 7 großen Kanarischen Inseln durch vulkanische Aktivitäten aus dem Atlantischen Ozean in der Nähe Nordafrikas auf. Die Inseln verstreuen sich von West nach Ost über 500 Km (La Palma, El Hierro, La Gomera, Tenerife, Gran Canaria, Fuerteventura und Lanzarote).
Aus archäologischen Ausgrabungen geht hervor, dass die Kanarischen Inseln in mehreren Wellen zuerst zwischen 3000 und 1000 vor unserer Zeitrechnung aus Nordafrika und Europa besiedelt wurden.
In verschiedenen antiken Quellen gibt es Andeutungen, die auf die Kanarischen Inseln gemünzt sein könnten:
So wurden laut HOMER die Lieblinge der Götter auf die elysischen Gefilde entrückt, um dort, wo es keinen Winter gibt, in ewiger Glückseligkeit zu leben.
HERODOT berichtet vom Garten der Hesperiden, ein glückliches Land im äußersten Westen, wo die Sonne untergeht.
Der Grieche PLUTARCH erzählt von fruchtbaren Inseln in der Nähe der afrikanischen Küste, auf denen immer eine sanfte Frühlingsbrise weht.
Die Atlantis-Theorie wird u.a. auf PLATON gestützt. Er ging davon aus, dass der versunkene Kontinent Atlantis westlich von Gibraltar im Atlantischen Ozean lag. Der Kontinent soll vor ca. 12.000 Jahren durch Erdbeben und Flutwellen zerstört worden sein. Übrig blieben nur noch die Berggipfel, die nun sieben Inseln bilden. Wie alle Atlantis-Theorien konnte selbstverständlich auch diese nie belegt werden.
Man geht heute davon aus, dass um 1100 vor unserer Zeitrechnung phönizische Seefahrer bei einer Handelsexpedition entlang der afrikanischen Westküste auch die Kanaren erreichten.
Erneute Besiedlungen aus Nordafrika fanden zwischen 500 und 200 vor unserer Zeitrechnung statt.
Die inzwischen fast völlig von Europäern assimilierten Ureinwohner der Kanarischen Inseln, die Guanchen, zeichneten sich durch ihren verhältnismäßig hohen Wuchs aus. Sie waren hellhäutig, hatten häufig blaue Augen und blonde Haare. Gesichert scheint, dass sie aus Nordafrika einwanderten, der Ursprung dieses Volkes ist aber bis heute unklar. Trotz Assimilation durch die Spanier findet man auf den Kanaren auch heute noch Menschen, die sich durch ihre Größe oder durch helle Haut, Augen und Haare von „typischen“ Spaniern unterscheiden.
Im 1. Jahrhundert n. Chr. berichtete Plinius der Ältere von einer Expedition des mauretanischen Königs Jaba II. auf die Kanaren. Hierbei taucht erstmals der Name Insula Canaria für das spätere Gran Canaria auf. Es ist erstmals von den Inseln des ewigen Frühlings die Rede.
Im 2. Jahrhundert wird El Hierro mit dem Null-Meridian auf die Weltkarte des Griechen Ptolemäus eingezeichnet.
Zwischen 6. und 9. Jahrhundert siedelten sich Berber aus Nordwestafrika auf den Inseln an.
1312 landet der italienische Seefahrer Lancelote Malocello auf der nach ihm benannten Insel Lanzarote.
Zwischen 1340 und 1342 fanden Plünderungen durch Spanier, Portugiesen und Genueser auf den Inseln statt.
Als sich Papst Clemens VI. 1344 zum Herrscher über alle unentdeckten Länder der Welt erklärte, setzte er den Spanier Luis de la Cerda als König der Kanaren ein. Dieser betrat die Inseln jedoch niemals und als er die geforderten Tributzahlungen an den Papst nicht leisten konnte, fielen die Kanarischen Inseln an Spanien. In wirklich spanischen Besitz waren die Inseln jedoch noch lange nicht. Denn die endgültige Eroberung benötigte fast das ganze 15. Jahrhundert.
Die tatsächliche Eroberung durch die Europäer begann im Jahre 1402 auf Lanzarote:
1402: Ein Normanne namens Jean de Béthencourt schloss mit dem Guanchen-Herrscher Guardaffa (von Lanzarote) einen Friedensvertrag und nahm Fuerteventura und El Hierro ein. Der Pirat Peraza errichtete auf La Gomera eine Willkürherrschaft. La Palma, Gran Canaria und Teneriffa blieben unabhängig.
1478 sollte Pedro de Vera diese drei bislang uneinnehmbaren Inseln erobern.
1483: Gran Canaria musste sich nach blutigen Kämpfen ergeben.
1493: Alonso Fernéndez de Lugo eroberte La Palma.
1494: Der Grundstein für das spätere Santa Cruz de Tenerife wurde durch Alonso Fernández de Lugo gelegt. Am 31. Mai des Jahres erleidet er jedoch bei La Matanza (das Gemetzel) eine schwere Niederlage gegen die Guanchen.
1495: Am 25. Dezember unterlagen die Guanchen nun doch endgültig den spanischen Eroberern bei La Victoria (der Sieg). Dieser Sieg wurde den Spaniern erst nach dem Einsatz von tausenden Soldaten und nach zwei Jahren heftigster Kämpfe möglich. Die gesamten Kanaren unterstehen nun der spanischen Krone.
Heute noch erkennbare Hinterlassenschaften der Guanchen finden sich im Speiseplan sowie in einigen Begriffen und Namen. So ist noch heute Gofio ein Hauptnahrungsmittel. Busstationen heißen Estatión de Guagua und Namen wie Tabaiba, Tamadaba, Teneguia, Teide und auch Tenerife gehen auf die Guanchensprache zurück.
Im Jahre 1492 nahm Christoph Kolumbus von El Hierro aus Kurs gen Westen, um zu beweisen, dass die Erde eine Kugel ist und er auf diesem Weg Indien erreichen könnte. Nach der “Entdeckung” Amerikas wurden die Kanaren zum „Sprungbrett“ auf dem Weg über den Atlantik nach Amerika und erhielten dadurch eine wichtige strategische Bedeutung.
Seit 1500 betrieben spanische Kaufleute auf den Kanarischen Inseln Handel mit schwarzafrikanischen Sklaven. Der Anbau und Export von Wein und Zuckerrohr wird erst ab ca. 1550 bedeutsam.
Zwar fest im Griff der spanischen Krone, versuchte England dennoch seine Hände nach den Kanaren auszustrecken. 1657 scheiterte jedoch der englische Admiral Robert Blake vor Santa Cruz de Tenerife. Weitere Versuche der Engländer in den Jahren 1706 und 1797 scheiterten ebenfalls. Bei der Schlacht im Jahr 1797 verlor der berühmte britische Admiral Horatio Nelson nicht nur den Kampf sondern auch seinen Arm. Es war die einzige Schlacht, die der Admiral jemals verlor.
1706 erschütterte auch ein verheerender Vulkanausbruch die Insel Teneriffa. Der Ausbruch des Montaña de Trebejo begrub einen großen Teil der bis dahin wichtigsten Hafenstadt Garachico und verursachte immense wirtschaftliche Schäden. Die Katastrophe kostete jedoch “nur” einer Person das Leben, und diese starb vor Aufregung.
Als Handelsplatz erlangte Teneriffa große Bedeutung durch das Vorrecht, mit Amerika Handel zu treiben, welches der Stadt Santa Cruz de Tenerife im Jahre 1778 verliehen wurde.
Die einzige Universität der Kanarischen Inseln wurde im Jahre 1792 in der Stadt San Cristóbal de La Laguna gegründet. La Laguna ist mit Santa Cruz de Tenerife mittlerweile nahezu verwachsen. Zusammen bilden die beiden Städte das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Insel.
1799 machte der deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt fünf Tage lang Zwischenstation auf Teneriffa.
1822 wurde Santa Cruz de Tenerife Hauptstadt der Kanarischen Inseln und behielt diesen Status bis zur Aufteilung im Jahre 1927.
Einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung erfuhren die Kanaren durch den Status einer Freihandelszone, der ihnen 1852 vom spanischen Königshaus gewährt wurde.
Der Tourismus begann im Norden Teneriffas im Jahre 1880 mit Puerto de la Cruz als Zentrum. Zehn Jahre später wurde das Gran Hotel Taoro oberhalb von Puerto de la Cruz eröffnet. Zwischenzeitlich als Kasino genutzt wird es nun wieder zu einem Hotel umgebaut.
httpv://www.youtube.com/watch?v=CLPTuGUQg0o
1912 trat der Cabildos Insulares in Kraft, hiermit wurde die inseleigene Selbstverwaltung eingerichtet.
1927 wurde die Inselgruppe in zwei Provinzen aufgeteilt. Santa Cruz de Tenerife wurde Hauptstadt der westlichen Provinz mit den Inseln Teneriffa, La Palma, El Hierro und La Gomera. Las Palmas de Gran Canaria verwaltete fortan die östlichen Inseln Gran Canaria, Lanzarote und Fuerteventura. Bis heute stehen sich beide Provinzen im harten und manches Mal obskuren Konkurrenzkampf gegenüber. So erhebt derzeit Gran Canaria den Anspruch auf einen zweiten internationalen Flughafen, nur weil Teneriffa über zwei Flughäfen verfügt. Wirtschaftlich notwendig ist ein zweiter internationaler Flughafen für Gran Canaria jedoch nicht.
1936 putschte der auf Teneriffa stationierte General Francisco Franco y Bahamonde gegen die spanische Regierung. Nach dreijährigem Bürgerkrieg (mit Hitlers Unterstützung durch Bombenangriffe auf Spanien) ergriff er die Macht, die er bis zu seinem Tod 1975 für sich erhalten konnte. 36 Jahre lang wurde Spanien und damit auch die Kanaren von einem nationalistischen Diktator regiert.
Im Jahre 1954 wurde der Parque Nacional del Teide gegründet. Fünf Jahre später landete das erste deutsche Charterflugzeug auf Teneriffa. Der Tourismus wuchs nun rasant zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige der Insel an. Zentrum war zunächst der Norden mit Puerto de la Cruz. In den 1960er Jahren wurde jedoch auch der karge Süden für den Massentourismus erschlossen. Da der Süden für Badeurlauber attraktiver ist, hat er dem Norden inzwischen den Rang als Tourismuszentrum abgelaufen.
Nach dem Tod von Franco wurde JUAN CARLOS I. 1975 spanischer König. Er leitete die Demokratisierung des Landes ein und verteidigte sie gegen einen Putschversuch. Aufgrund der Unterdrückung regionaler Eigenheiten durch Franco formierten sich zu dieser Zeit die ersten separatistischen Bewegungen auf den Kanaren.
1982 erhielten die kanarischen Provinzen den Status einer autonomen Region mit weitgehender Selbstverwaltung. Die beiden Provinzhauptstädte wechseln sich seither alle vier Jahre als Regierungssitz der autonomen Region ab.
Als Spanien 1986 der Europäischen Gemeinschaft beitrat, beanspruchten die Kanarischen Inseln im Hinblick auf Zoll- und Handelsvereinbarungen einen Sonderstatus. Auch als die Kanaren 1992 vollständig in die Europäische Gemeinschaft integriert wurden, behielten sie die Zollbestimmungen für Nicht-EG-Länder. In Deutschland genießt die Insel Helgoland einen ähnlichen Sonderstatus.
1999 wurde die Stadt San Cristóbal de La Laguna von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.






