Agustín Betancourt

Der Genius, der von Teneriffa kam

Avenida de la Familia Betancourt y MolinaSchon kurz nach der Okkupation Teneriffas durch Generalkapitän Alonso Fernandéz de Lugo begann die richtige Eroberung der Insel im Atlantik. Und schon bald nach dem Sieg der Eroberer über die Ureinwohner - die Guanchen - zog es spanische Militärs, Politiker, Kaufleute und Ökonomen auf die Insel. Mit Reichtum gesegnete Adelshäuser vom Festland investierten und schufen ihre Monopole.

Hotel Monopol in Puerto de la CruzZur damaligen Zeit war La Laguna die Hauptstadt von Teneriffa. Die Städte Santa Cruz de Tenerife und La Orotava blühten auf, wie nie zuvor. Musik, Kunst, Architektur und auch die Wissenschaft sahen goldenen Zeiten entgegen. Als einzige Stadt auf den Kanaren gründete La Laguna eine Universität. Der Haupthafen von Teneriffa ist “Puerto de la Orotava”. Puerto de la Cruz hat im Jahr 1758 noch kein eigenes Stadtrecht.

Augustín José Pedro del Carmen Domingo de Candelaria Betancourt y de MolinaDer Clan der Betancourts de Castro y Molina, genauer der Stammvater, kaufte ein recht repräsentatives Haus. Das gehört heute zu den ältesten historischen Gebäuden in Puerto de la Cruz. Heute kann man darin herrlich Urlaub machen – es ist das Hotel “Monopol”, mitten in Puerto, gegenüber der Kirche. Am 1. Februar 1758 wird in diesem Haus ein Sohn geboren. Er wird auf den pompösen spanischen Namen Augustín José Pedro del Carmen Domingo de Candelaria Betancourt y de Molina getauft. Fast alle Männer in der Familie waren Wissenschaftler. Da lag es nahe, dass auch der junge Augustin ein fleißiger Schüler und später eifriger Student war. Schon im Jahr 1778 wurde man auf seine technische Begabung aufmerksam.

Auf La Palma und Teneriffa hatte sich eine erfolgreiche Seidenproduktion  angesiedelt. Inspiriert von seiner Schwester Maria und von seinem Bruder José machte er sich an die Konstruktion einer Maschine für das Verzwirnen von Seidenfäden. Die Schwester Maria beschäftigte sich wissenschaftlich intensiv mit dem Farbstoff “carmesi”, was wohl mit dem roten Farbstoff, der aus Cochenille - Läusen gewonnen wird,  gleichzusetzen ist. Augustín de Betancourt reist Ende 1778 von Teneriffa nach Madrid. Spanien hatte sich in diesen Jahren mühsam der klerikalen Doktrin entledigt und widmete sich der “Aufklärung”. Augustin blieb keine Wahl, er musste noch einmal weiter studieren. Dann, nach fast fünf Jahren erhielt er die ersten Aufträge. Er wurde von der spanischen Krone verpflichtet, den Kanal von Aragon und den Minenbetrieb von Almadén zu inspizieren. Dann begann für ihn, als Zwanzigjähriger, die Dienstzeit in der Armee.

Ab 1784 studiert Augustín weiter in Paris in den Fächern Geologie und Physik - schwenkt aber 1786 um auf Hydraulik und Mechanik. Schnell war Augustín Mitglied der Akademie und gab Werke zur Ingenieurstechnik heraus, die viel Beachtung fanden. Im Jahr 1793 reiste er nach England, wo er drei Jahre blieb. Der Kontakt mit dem Physiker James Watt, der die erste Dampfmaschine konstruierte, gilt als ein prägendes Erlebnis. Als Dritter gesellte sich der Physiker Boulton dazu. Zu dritt experimentierten sie mit optischen Entfernungsmessern.

TelegraphVon England kehrt er 1796 über Frankreich zurück. Auf der Strecke zwischen Madrid und Aranjuez baut er eine Reihe von optischen Telegraphen. Diese trugen Winkarme zum optischen Senden von Signalen. 1807 ging seine Reise nach St. Petersburg. Dort war der Zar damit beschäftigt sein Reich auf den neusten Stand zu bringen und Wissenschaftler zu verpflichten. Gleich bei der ersten Audienz wird Betancourt der Rang eines “Marschalls der russischen Armee” zugesprochen und wird Beirat der “Abteilung für Kommunikationswege”, deren Direktor wird er 1819. Über Arbeit konnte sich Augustín nicht beklagen: Er konstruierte die Newa-Brücke, modernisierte die Waffenfabriken in Tula und die Kanonenfabrik in Kasan. Aber das war noch nicht alles, er modernisierte auch noch die Fischerei-Technik auf der Ostsee-Insel Kronstadt.  Für die Baueinrüstung der weltberühmten “Isaak- Kathedrale” in St. Petersburg zeichnete er sich ebenfalls verantwortlich. Das weithin bekannte “Erdpendel” in der Kuppel der Kathedrale soll auf seine Initiative zurückgehen. Und die Bauaufstellung der allseits bekannten “Alexander-Säule” geht auf sein Konto. Nach ihm benannte man den “Kanal Betancourt”. Die historische Reithalle in Moskau wird von ihm geplant und gebaut. Es gibt wohl kaum ein anderes Universal-Genie in der Ingenieurswissenschaft, das ihm gleichzusetzen ist. Weiter geht es in Nishnij Novgorod – die Messe für die Stadt wird aufgebaut, die Innenstadt modernisiert, eine Notendruckerei installiert, die Dampfschifffahrt auf der Wolga reguliert und ein Wasserversorgungssystem installiert.

Wenn man das alles liest, fragt man sich, wie dieser nimmermüde Mann das geschafft hat. Er wurde erst gestoppt, als es Differenzen mit dem Zaren gab. Den Posten als Instituts-Direktor kündigte de Betancourt im Jahr 1822. Von da an lebte er zurückgezogen in Sankt Petersburg und starb dort am 14. Juli 1824.

Das Geburtshaus in Puerto de la Cruz geht 1758 in den Besitz der Betancourts über und gilt als Stammsitz der Familie. Nachdem das Geschlecht der Betancourts ausgestorben war, wurde  das Gebäude vom Finanzministerium erworben und als Lagerhaus  für landwirtschaftliche Produkte genutzt. In der Zeit von 1877 bis 1881 war es im Besitz des Bürgermeisters der Stadt. Der häufige Wechsel der Eigentümer hatte an der Substanz des Baus genagt. Ab 1888 wurde es zu einem Hotel umfunktioniert und existiert noch heute so. Es ist das zweitälteste Hotel in Puerto de la Cruz.

Eingang Hotel "Monopol"Das deutsche Ehepaar Gleixner erwarb das “Monopol” im Jahr 1928 und ist bis heute im Besitz der Familie. Mit seinem individuellen Ambiente ist das Hotel sehr beliebt bei deutschen und englischen Urlaubern. Eine der Besonderheiten ist die tägliche Zeremonie vor dem Eingang: Jeden Morgen wird das Portal von einer Señora, in der Tracht der Insel, mit frischen Hibiskus-Blüten geschmückt. Die Geschichte des Hauses und der Familie Betancourt wird erinnert durch zwei Geschichts-Tafeln, die am Eingang des Dreisterne-Hotels angebracht sind. Die Zweite wurde zum 250. Geburtstag Betancourts in Anwesenheit einer Delegation aus Russland enthüllt. Aus Anlass dieses Ehrentages wurde auch die längst fällige Umbenennung der “Avenida Generalisímo” in “Avenida Familia Betancourt y Molina” zelebriert. Im kleinen Park gegenüber dem Hotel findet man auch noch ein Denkmal dieses großen Mannes von der Insel Teneriffa.

Teneriffa Information

Wirb ebenfalls für deine Seite

3play_HD_Banner_160x600

Aktion Deutschland Hilft

Routen_300x250

MEDIONshop