Die “tragische Woche” in Spanien - La Semana Trágica

Semana TrágicaDer spanische Bürgerkrieg (1936 bis 1939) hat sich schon länger mit politischen Unruhen angekündigt. Nachdem Spanien den spanisch-amerikanischen Krieg 1898 verloren und die Macht über Kuba und später auch noch über die Philippinen eingebüßt hatte, blieben ihnen nur noch Ceuta und Melilla im Besitz. Dazu gehörten noch Besitzungen in der Westsahara und Äquatorialguinea. In den Jahren 1905/1911 errichtete Spanien gemeinsam mit Frankreich ein Protektorat über Marokko und okkupierte damit de facto Nordmarokko. Hauptsächlich nahmen an dem Krieg Wehrpflichtige und Reservisten teil. Besonders das katalanische Volk war 1909 kriegsmüde, aber auch der Rest des spanischen Volkes hatte kein großes Interesse am Kampf. Die Kämpfe gegen die in Marokko beheimateten Berber und Rifkabylen war äußerst verlustreich.

Die Einberufung 1909 in Katalonien

Semana TrágicaDer Einberufungsbefehl für 40.000 Reservisten kam dann im Juli 1909. Der betraf die gemischte Jagdbrigade in Katalonien. Dabei erzeugte eine Ungerechtigkeit für Unruhe: Wer das Geld hatte, insgesamt wurden 6.000 Reales gefordert, konnte sich vom Militärdienst befreien lassen. Stattdessen zog man dafür einen Mittellosen ein. Hinzu kam die Auffassung der katalanischen Arbeiter, den Marokko-Krieg als Klassenkrieg ansah. Sie warfen den Oberen vor, es ginge ihnen nicht um die nationalen Interessen ihrer Heimat Spanien, sondern um die private Bereicherung und Bergbauinteressen der besitzenden Klasse. Die Armee der Spanier war während des Marokko-Krieges auch damit beschäftigt gewesen, die spanische Bauwerkgesellschaft bei Melilla vor den Angriffen der Rifkabylen zu schützen, obwohl sich die Gesellschaft in Privatbesitz befand.

In Barcelona wird zum Generalstreik aufgerufen

Semana TrágicaMontag der 26. Juli 1909 war der Tag, als in Barcelona die Gewerkschaft “Solidaredad Obrero” zum Generalstreik aufrief. Begleitet wurde die Gewerkschaft von Soziallisten und Anarchisten. Die Folge waren Vandalismus, Streiks und Brandstiftung und die Übernahme von Barcelona durch die Arbeiter. Sie stürzten Züge und Straßenbahnen um und benutzten sie als Barrikaden.  Am Donnerstag brach dann der offene Straßenkampf aus. Das kam der Obrigkeit zupass, die wollte die Aufständischen drei Tage lang toben lassen, um dann zum Gegenangriff  zu gehen. Der Aufstand entwickelte sich zu einem antiklerikalen. Kirche und Klerus vermutete man, Teil der korrupten  bourgeoisen Struktur zu sein. Es wurden Gräber und Grabstätten entweiht, kircheneigene Schulen und Asyle wurden angezündet und auch vor Kirchen machte man nicht Halt.

Katalonien unter Kriegsrecht

Semana TrágicaAufgrund der Vorfälle verhängte die Zentralregierung in Spanien das Kriegsrecht über die betroffene Region. Die Armee wurde entsandt um die katalanische Revolte zu unterdrücken. Die Armee, die in Katalonien stationiert war, weigerte sich ihre Waffen auf die eigenen Bürger zu richten. Niedergeschlagen wurde die Revolte dann durch Truppen aus Pamplona, Valencia, Burgos und Saragossa.

Das traurige Ergebnis der Tragischen Woche

semana_tragica05Die Polizei und das Militär büßten acht Menschen ein; 124 wurden verletzt. Bei den Zivilisten verloren während der Kämpfe fast 150 Leute ihr Leben. Nach der Beendigung der Kämpfe ließ die spanische Zentralregierung 2.500 Menschen festnehmen. Davon wurden 1.700 vor ein Militärgericht gestellt und wegen bewaffneter Rebellion verurteilt. Zum Tode wurden 17 Menschen verurteilt, wovon fünf Urteile vollstreckt wurden. Die Hinrichtung fand am 12.Oktober 1909 in der Kaserne Montjuic statt. Darunter war auch der Pädagoge Francisco Ferrer (Gründer von “Esquela Moderna”). Dem wurde vom Militärgericht vorgeworfen, der Anführer des Aufstandes in Barcelona gewesen zu sein. Weil er in Wirklichkeit nicht an der tragischen Woche in Barcelona beteiligt war, löste seine Hinrichtung Proteste  in ganz Europa aus. Die Spanische Verfassung blieb bis zum November 1909 außer Kraft gesetzt. Verboten wurden „anarchistische und linksnationalistischen Zeitungen“, kulturelle Arbeiterzentren und Orte der Versammlungen, nicht-kirchliche Schulen wurden geschlossen.

Semana TrágicaDer Aufstand in Katalonien, der den Namen “Semana Trágica” erhielt, war nicht der Einzige. Es gab noch viele Revolten und Streiks in Spanien. Immer war es das Ziel des Volkes, die Arbeits- und Lebensbedingungen mit Kampf zu verbessern. Höhepunkt der Aufstände war dann der Spanische Bürgerkrieg im Jahr 1936 unter General Francisco Franco. Er traf am 18. Juli mit einem Privatflugzeug aus Teneriffa kommend in Marokko ein und übernahm das Kommando über das Heer in Afrika. Die Revolte griff sofort auf das Mutterland über, jedoch nicht auf die Großstädte, so dass der Aufstand der antirepublikanischen Streitkräfte zum lang andauernden Spanischen Bürgerkrieg führte.

Teneriffa Information

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