Guanchen – hohe Wangenknochen und blond?

Die GuanchenDie Frage, ob nach über 600 Jahren nach der Eroberung Teneriffas durch die Spanier noch etwas von den Ureinwohnern in der heutigen Bevölkerung lebt, kann man getrost mit ja beantworten. Die Okkupation verlief zwar ziemlich blutig, aber es gab genügend Guanchen (Altkanarier) die sich den neuen Herren unterworfen haben.

In der Zeit der Franco-Diktatur leugnete man jegliche Vermischung der Spanier und anderer Einwanderer mit der Urbevölkerung. Heute, im Zeitalter der genetischen Forschung, besteht aber kein Zweifel mehr daran. Wer mit offenen Augen die Insel erkundet, dem begegnen auffallend viele blonde Menschen teils mit heller Haut und hohen Wangenknochen. Haben so die Guanchen ausgesehen? – Ja. GuanchenEs existieren Untersuchungen des Anthropologen Conrado Rodríguez Martín, die teilweise auf dem Material von Ilse Schwidetzky fußen. Diese Forscherin hat sich eifrig mit der prähispanischen Bevölkerung befasst und ist zu folgenden Ergebnissen gekommen: Zwei Menschenrassen sind anhand archäologischer Funde unterscheidbar – Menschen des Cro-Magnon-Typs und der mediterrane Typus, der kulturell auf einer etwas höherer Stufe gestanden hat. Beide hatten eine Durchschnitts-Größe von 1,65 bei Männern und 1,55 Metern bei Frauen gemeinsam.

GuanchenAlonso de Espinosa beschrieb im Jahr 1594 die Situation so: “Im Süden der Insel waren die Guanchen dunkelhäutiger- ein Effekt der Sonne. Im Norden waren sie hellhäutig und die Frauen trugen prächtiges, blondes Haar”. Nach jüngeren Untersuchungen waren die Haare der Guanchen 80 bis 90 Prozent blond oder in hellem Kastanienbraun. Die Augenfarbe war bei 90 Prozent der Ureinwohner dunkel und nur 10 Prozent hatten blaue, grüne oder graue Augen. Skelette, die wissenschaftlich analysiert wurden zeigten, dass der Rheumatismus als Krankheit vorherrschte. Häufig wurden Knochenbrüche, die von Steinpfeilen, Steinen, Stöcken und von kurzen Schwertern herrühren, vorgefunden. Die gut verheilten Brüche weisen darauf hin, dass fundierte medizinische Kenntnisse vorhanden waren. Tuberkulose war eher selten und Lepra und Syphilis gab es überhaupt nicht. Epidemien traten erst nach der Eroberung durch die Spanier auf. Nicht geklärt werden konnte die Ursache der Modorra, bei der es sich wohl um eine Art Pest oder Cholera gehandelt haben muss. Auf der Nachbar-Insel Gran Canaria raffte diese Seuche zwei Drittel der Urbevölkerung hin.

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