Menceyes

- die Könige der Guanchen

Menceyes de TenerifeAm großen Platz in Candelaria stehen zehn Guanchen-Figuren (früher aus Stein, jetzt aus Bronze) direkt am Atlantik. Sie stellen die neun Menceyes und den “armen Ritter” von Punta del Hidalgo dar, welche zur Zeit der spanischen Conquista die Herrschaft über die Insel unter sich aufgeteilt hatten. Namentlich sind dies: Beneharo von Anaga, Tegueste II. aus dem gleichnamigen Menceyato, Acaymo von Tacoronte, Añaterve von Güímar, Adjona (auch Atoxna) von Abona, Pelinor von Adeje, Romén von Daute, Pelicar von Icod, Bencomo von Taoro (das Gebiet der heutigen Gemeinden La Orotava und Puerto de la Cruz) und Zebenzuí von Punta del Hidalgo. Von diesen Namen sind nur zwei historisch belegbar: Bencomo (oder Benchomo oder Benitomo), der Mencey von Taoro, und sein Nachfolger Bentor, der aber auf dem Platz nicht dargestellt sein soll. Sechs weitere Namen nehmen Bezug auf Menceyes, die noch vor der Eroberung regierten. Die anderen Namen der Könige stammen einem etwa 110 Jahre danach geschaffenen literarischen Mythos.

 

MenceyDie ursprünglich unter der Herrschaft des Menceys von Adeje stehende Insel teilte sich später in neun Menceytümer auf. Der oben genannte “arme Ritter” hat nur einen Herrensitz im Nordwesten des Menceytums von Anaga besessen.

Zur Zeit der Conquista war das Menceytum von Taoro (auch Arautava oder Orotava genannt) dasjenige mit Anspruch auf Vorherrschaft. Der Grund für den Reichtum war die Fruchtbarkeit des Tales.

Der Mencey von Güímar hatte ebenfalls ein grünes Tal und stand in Konkurrenz zu Taoro. Alle Menceytümer wurden von einem Abkömmling des Mencey Gran Tinerfe von Adeje beherrscht. Die Erbfolge bestimmte nicht, dass die Herrschaft von Vater auf den Sohn übertragen wurde, sondern dass nach dem Tod des Menceys jeweils der älteste Bruder des Verstorbenen an seine Stelle trat.

 

El LanceDie Macht des Menceys bestand hauptsächlich in vier Herrschaftsaufgaben: er wies seinen Untertanen das Land zu, das er bebauen durfte, er sprach Recht in letzter und höchster Instanz, leitete die Kriegszüge gegen andere Menceys und bei religiösen Ritualen als Zeremonienmeister, z.B. bei Anrufungen der Götter während Dürreperioden. Der Ort wo diese Funktionen wahrgenommen wurden hieß Tagoror. Dieser Ort lag immer in der Nähe des Wohnsitzes des Königs an exponierter Stelle und war mit steinernen Sitzgelegenheiten ausgestattet. Der Sitz des Menceys überragte alle anderen. Auseinandersetzungen um Weideland mit anderen Menceytümern standen oft auf der Tagesordnung und waren der Grund für Kriege zwischen den einzelnen Stämmen.

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