Nuestra Señora de la Candelaria - Eine Jungfrau macht Furore

Nuestra Señora de la CandelariaSchon im Jahr 1392, also lange bevor der erste Christen-Mensch den Boden von Teneriffa betreten hatte,  entdecken zwei Guanchen-Schäfer zwischen den Felsen am Socorro-Strand (Bucht von Chimisay) eine Statue der Heiligen Jungfrau mit einem unbekleideten Kind auf dem Arm und einer Kerze in der linken Hand.

candelaria08Die heidnischen Guanchen stellten die Figur in einer natürlichen Höhle auf und beschlossen, sie vorsichtshalber schon einmal zu verehren. Die beiden Schäfer unterrichteten ihren König, den Mencey von Güímar, von dem mysteriösen Fund. Der ließ die Figur in eine Höhle bei Chinguaro bringen und gab ihr den Namen “Chaxiraxi” und man verehrte sie als Heiligtum.

Die tatsächliche Herkunft der dunkel getönten Madonna ist bis heute unbekannt. Die Vermutungen gehen in verschiedene Richtungen. Eine davon ist, dass sie von einer schiffbrüchig gewordenen portugiesischen Karavelle über Bord gespült oder dass sie von christlichen Seeleuten in der Höhle aufgestellt wurde.

Als die ersten Eroberungs-Versuche Teneriffas begannen, war sie bereits vorhanden. Das machte es den Konquistadoren mit ihrer Kennerschaft einer solchen Statue leicht, die Guanchen des Menceytums von Güímar  für ihren Glauben und damit als Kampfgenossen gegen die übrigen Guanchen zu gewinnen.

Basilika in CandelariaDem hohen ideellen Wert der Figur entsprechend wurde ein Dominikaner-Kloster neben der Höhle von San Blas, in der die Madonna stand, errichtet. Candelaria wurde zum Wallfahrtsziel für die Gläubigen der Insel. Seit über 600 Jahren thront Nuestra Señora de la Candelaria nun über dem Altar der großräumigen Basilika, auf deren riesigem Vorplatz sich jedes Jahr am 2. Februar (Feiertag auf Teneriffa) und am 15. August (Feiertag auf allen Kanarischen Inseln) tausende Gläubige versammeln. Selbst in Südamerika werden an diesen Tagen in unzähligen Kirchen Kerzen angezündet.

Im Jahr 1789 musste die Heiligen-Figur vor einem Brand in der benachbarten Kirche in Sicherheit gebracht werden. Nach dem Wiederaufbau wurde die Kirche 1826 während eines heftigen Unwetters überschwemmt und die Statue weggetrieben. Da es an verschiedenen Orten auf Teneriffa Nachbildungen gab (Pilar-Kirche zu Santa Cruz) konnte leicht Ersatz beschafft werden.

Erst im Jahr 1867 wurde Nuestra Señora de la Candelaria zur Schutzpatronin der Kanarischen Inseln erklärt. Seitdem reißt der Strom der Gläubigen, die auf Knien zum Altar rutschen, kaum noch ab.

Die ganze Zeit hindurch war man stets bemüht, die Darstellung der Legende, die um die Madonna von Candelaria gesponnen wurde, zu verfeinern. Besonders hat sich der Mönch Fray Alonso de Espinosa (ca. 1590) dabei hervorgetan. So berichtete er zum Beispiel von den beiden Hirten, die die Gottesmutter gefunden hatten. Als der eine einen Stein nach ihr werfen wollte, der Arm gelähmt wurde. Dem anderen wurde offenbar seine Experimentierfreude zum Verhängnis. Beim Versuch, der Statue einen Finger abzuschneiden, um zu sehen, ob sie aus Fleisch und Blut ist, hat er sich mit seiner Taborna, einem dunklen blankpolierten Schneidestein aus Obsidian, immer nur selbst geschnitten. Später, als sie das Standbild berührten, um es in das Haus des Menceys von Güímar zu tragen, wo es verehrt werden sollte, wurden sie sofort von ihren Beschwerden befreit. Schön ist auch diese Geschichte: Gefolgsleute des Herrn von Lanzarote, Sancho de Herrera, raubten die Madonna und stellten sie in der Kirche von San Salvador auf Lanzarote auf. Am nächsten Tag fand man sie auf ihrem Podest mit dem Gesicht zur Wand vor. Alle Versuche, die Madonna zurechtzurücken, schlugen fehl. Jeden Morgen blickte sie wieder zur Wand. Reumütig brachte man den Raub wieder nach Candelaria zurück. Bis heute ist man fest davon überzeugt, dass die Lichtspenderin fleißig Wunder bewirkt.

 

Die Wallfahrt 

Candelaria - Plaza vor der BasilikaHeute wie früher konzentriert sich die religiöse Verehrung der Virgen de la Candelaria auf zwei Termine im Jahr: auf den 2. Februar und den 15. August. Im Sommer ist die Wallfahrt für weite Teile der Inselbevölkerung ein besonders ergreifendes Ereignis. Im Laufe des 14. August machen sich viele auf, um per Auto oder per Pedes (auf dem Standstreifen der Autobahn) nach Candelaria zu pilgern. Auf dem großen Platz vor der Basilika versammeln sich die malerisch gewandeten Pilger, um einem traditionellen Spektakulum beizuwohnen. Bürger von Candelaria erscheinen als Guanchen in Felle gehüllt und mit knorrigen Stöcken bewehrt und begeben sich zur Meerseite des großen Platzes, wo die Madonna bereits wartet. Dort wird dann noch einmal der Akt der Christianisierung der Vorfahren dargestellt. Anschließend illuminiert ein Groß-Feuerwerk die darauf folgende Prozession. An der nehmen auch die “soeben” bekehrten Guanchen teil. Zum Schluss der Prozession hält die Madonna Einzug in die Basilika. Da die Pilger am nächsten Tag an weiteren Prozessionen teilnehmen wollen, verwandeln sich der Platz und die umliegenden Gässchen und Treppen in ein gigantisches Nachtlager, das für die Jugendlichen das eigentliche Erlebnis darstellt. Man sitzt beisammen, schwätzt, brutzelt sich etwas auf dem mitgebrachten Gaskocher oder kaut Mitgebrachtes. Schließlich bilden sich kleinere Gruppen, die sich um einzelne Gitarrenspieler scharen. Gedämpfter Gesang wiegt die kunterbunte kanarische Gemeinde der Pilger in den unbequemen Schlaf hinein.

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