Die merkwürdigsten Dinge können auf See passieren. Da kommen und gehen Inseln - bisweilen wandern sie sogar umher. Irgendwo hinter La Palma liegt die Insel San Borondón, doch niemand weiß eigentlich wo.
Portugiesische Seefahrer berichteten im Jahr 1525, dass die Insel 220 Seemeilen Nord-Nord-West von La Palma liegt. Im 16. Jahrhundert sahen andere Seeleute die Insel einige Meilen von dort entfernt. In der Renaissance hat sie ein Geograph sogar an die amerikanische Küste versetzt. Da verwundert es nicht, dass die Kapitäne Hernando Troya und Hernando Alvarez aus La Palma die Insel im Jahr 1525 nicht sichten konnten. Auch ihr Landsmann de Villalobos konnte 45 Jahre später keine Insel finden.
Im 16. Jahrhundert war die Insel ein willkommenes Versteck für französische, englische, portugiesische und andere Piraten, die sich wegen der gefährlichen und starken Strömung vor Entdeckung sicher fühlten. Wie sie sich mit dem Erzbischof und den sechs Bischöfen sowie den Bewohnern der sieben Städte vertragen haben, ist nicht überliefert worden. Giovanni Torriani, ein italienischer Militäringenieur, zeichnete die Insel auf seiner Karte mit einer Länge von 422 Kilometern und einer Breite von 148 Kilometern und alle sieben Städte ein. Portugiesische Seefahrer, die im Jahre 1525 auf San Borondón landeten, behaupteten, damals sei die Insel voller Wälder gewesen. Der spanische adlige Pirat Ceballos bestätigte, dass die Bäume bis zum Strand wuchsen und so mit Vögeln besetzt waren, dass man sie “mit Händen greifen” konnte. Im Sand entdeckte Ceballos den Fußabdruck eines Riesen.
Nach einem Sturm ankerte eine französische Mannschaft auf La Palma und gab an, dass sie einen Brief, ein Holzkreuz und einige Silbermünzen auf der Insel zurückgelassen hätten. Wieder andere sahen Schafe, Ochsen, Ziegen und weitere Riesen-Fußabdrücke im Sand. Wie stark die Strömung um die mysteriöse Insel gewesen ist, zeigt folgender Vorfall: Roque Nuñez, ein alter Seebär, und Martin de Araña, ein Priester aus La Palma, suchten im Jahre 1566 nach San Borondón. Nach einem Tag und einer Nacht sahen sie Land. Während der Diskussion darüber, wer als erster an Land gehen darf, wurden sie von der Strömung wieder fortgetrieben!
Bis heute ist die Insel auf keinem Satellitenfoto zu sehen und doch kann man manchmal von La Palma und Teneriffa etwas sehen. Die Richtung Nord-Nord-West und die Entfernung stimmen. Man kann die hohen Gipfel in die Wolken hinein ragen sehen. Eine optische Täuschung mit sagenumwobener Geschichte.
Wen wundert es, dass manche das versunkene Atlantis in Verbindung mit den Kanarischen Inseln bringen. Atlantis, das Geheimnis um die Guanchen, San Borondón - das alles sind Produkte der kanarischen Geschichte. Sogar nach der nachweislichen von europäischen “Besuchern” niedergeschriebenen Geschichte, haben steinzeitliche Stämme (die Guanchen), die spanischen Invasoren immerhin 100 Jahre in Schach gehalten. Das konnten nur Übermenschen gewesen sein. Hatte man ihnen erst einmal eine mythologische Herkunft angedichtet, war keine Geschichte mehr unglaubwürdig!
