Mitten im Sommer 1936 herrschte auf den Kanaren ein heftiger “Calima”. Feiner Sand machte das Atmen schwer und die glühend heißen Sahara-Winde, die über die Inseln hinweg fegten, taten ihr Übriges.
Für den kleinen, stämmigen Mann mit dem Namen Francisco Franco muss der Aufenthalt auf Teneriffa die Hölle gewesen sein. Die republikanische Regierung auf dem Festland hatte ihn im März 1936 nach hier versetzt. Seine rechtsradikale Gesinnung und sein Ruf als exzellenter Soldat erschienen der jungen Republik als zu gefährlich. Er stand unter dem Verdacht, an mehreren Verschwörungen teilgenommen zu haben, die zum Ziel hatten, General Sanjurjo an die Macht zu bringen. Sanjurjo wurde nach Portugal verbannt und Franco konnte die Anschuldigungen der Mittäterschaft entkräften. In Wirklichkeit planten die “Väter der Glorreichen Revolution von 1936″ Goded, Mola und Franco bei einem Geheimtreffen, General Sanjurjo zu unterstützen.
Franco war bis eine Woche vor dem Aufstand zögerlich, Maßnahmen zu ergreifen. Trotzdem nahm er an den regelmäßigen Treffen der anderen unzufriedenen Offiziere in den Wäldern von La Esperanza auf Teneriffa oder im englischen Hotel “Los Frailes” auf Gran Canaria teil. Franco konnte zum Mitmachen bewegt werden, indem man ihm versprach, er könne die besten spanischen Truppen, die harten marokkanischen Söldner, und die skrupellosen Fremdenlegionäre befehligen.
Am 14. Juli landete auf dem Flughafen “Gando” , dem heutigen Flughafen von Gran Canaria, ein Dragon-Rapide-Doppeldecker. Dem entstiegen eine ausgewählte Gruppe englischer Touristen: der pensionierte Major Hugh Pollard, dessen Tochter Diana mit Freundin Dorothy Watson. Man besichtigte allerlei Sehenswürdigkeiten. Auf Teneriffa nahm Pollard Kontakt mit einem Offizier von Franco auf und überbrachte die Geheim-Botschaft: Galicia saluda a Francia (Galizien grüßt Frankreich). Am 16. Juli erhielt der ehemalige Pilot der Royal Air Force den Befehl, sich allzeit startbereit zu halten. Als günstige Fügung erwies sich die Tatsache, dass sich der Kommandant von Las Palmas beim Reinigen seiner Pistole selbst vom Leben zum Tod brachte. Schon am Abend des selben Tages hatte Franco die Genehmigung des Kriegsministeriums erhalten, am Begräbnis teilnehmen zu dürfen. Kaum in Las Palmas angekommen, erfuhr Franco, dass die nordafrikanischen Garnisonen bereits losgeschlagen hatten, weil eine Durchsuchung des rebellierenden Hauptquartiers in Melilla, das liegt an der marokkanischen Küste, befohlen war.
Da Franco ein Attentat befürchtete, requirierte er einen Schlepper, der ihn nach Melilla bringen sollte. Am 18. Juli früh am Morgen erreichte Franco Nordafrika und ließ eine Rundfunkerklärung verbreiten, nach der er “zum ersten Mal in unserer Heimat Brüderlichkeit, Freiheit und Gleichheit verwirklichen” wolle.
Dann, am 20. Juli waren die Kanaren Franco komplett in die Hände gefallen. Sogleich begannen Unterdrückungsmaßnahmen: Gewerkschafter, Lehrer und Politiker der linken und demokratischen Parteien, Künstler und Schriftsteller wurden verhaftet oder umgebracht. Leutnant Gonzales Campos war der einzige Offizier, der dem Coup entschlossen entgegen trat, er wurde zusammen mit dem Zivil-Gouverneur und dessen Untergebenen in einem Schnellverfahren von einem Kriegsgericht verurteilt und unmittelbar danach erschossen. “Lang lebe der libertäre Kommunismus” hatte der Gouverneur gerufen. Er war weder Kommunist noch ein Freidenker. Unparteiische Zeugen wollten gehört haben, dass er lediglich “lang lebe, die Republik” von sich gegeben hatte. Die Anhänger der Republik pferchte man im Kaufhaus Fyffe zusammen. Das Kaufhaus befand sich in der Nähe des heutigen Fußballstadions von Santa Cruz de Tenerife. Dort mussten die Sympathisanten der Republik von Angst geplagt warten, bis man sie im Barranco del Infierno gruppenweise exekutierte. Heute befindet sich an dieser geschichtsträchtigen Stelle eine Ölraffinerie.
So begann Francos Herrschaft über Spanien, die bis zu seinem Tod im Jahre 1975 andauerte!
