Was haben die kanarischen Bananen mit Kunststoff zu tun?
Kaum einer weiß, dass Jahr für Jahr rund 25.000 Tonnen Bananenpflanzen nach der Ernte der gelben “Glücklichmacher” in den Schluchten der Kanarischen Inseln entsorgt werden. Jetzt aber arbeiten von der EU finanzierte Forscher an einem neuartigen Verfahren, das den Einsatz dieser Pflanzen zur Herstellung von Waren aller Art, die sonst aus Kunststoff gefertigt werden, ermöglichen soll. Die bahnbrechenden Ergebnisse werden die Europäer in ihren Bemühungen um die Entwicklung neuer und nachhaltiger Beiträge zur weiteren Schaffung von alternativen Werkstoffen unterstützen.
Die Arbeit der Forscher ist Teil des EU-finanzierten BADANA-Projekts (”Development of an automated process to extract fibres from the waste of banana food production for exploitation as a sustainable reinforcement in injection - and rotomoulded products”). Dieses wird im Rahmen des Themenbereichs “Forschung zugunsten von KMU (kleinen und mittleren Unternehmen)” des siebten Rahmenprogramms (RP7) der EU gefördert. Das im Juli 2009 gestartete, auf zwei Jahre geplante Projekt bekam eine million Euro an finanzieller Unterstützung.
Das “Polymer Processing Research Centre”, an der Queens University Belfast im Vereinigten Königreich ist an diesem innovativen Projekt beteiligt. Die Gruppe der Forscher arbeitet an der Erfindung neuer Verfahren zur Verarbeitung von Abfällen aus Bananenplantagen der Kanarischen Inseln bei der Herstellung von rotationsgeformten Kunststoffen. Das Rotationsformen ist ein Prozess, der normalerweise zur Herstellung von Hohlkörpern wie Puppen oder Haushaltsgegenständen angewendet wird.
“Über 20% der in Europa konsumierten Bananen wachsen auf den Kanarischen Inseln, wobei allein auf Teneriffa jährlich rund 15 Millionen Bananenpflanzen neu gepflanzt werden”. Das erklärt Mark Kearns, Manager für Rotationsformen am “Polymer Processing Research Centre”. “Wenn die Früchte geerntet sind, geht der Rest der Bananenstaude direkt in den Müll”, ergänzt er.
“Das BADANA-Projekt” hat das Ziel, eine besondere Verwendung für diese Pflanzen zu finden. Die in den Bananen-Stauden enthaltenen natürlichen Fasern können bei der Herstellung von rotationsgeformten Kunststoffen verwendet werden, die bei der Fertigung von Artikeln des täglichen Bedarfs angewendet werden. So etwa können sie bei Ölbehältern, Mülltonnen, Verkehrskegeln und vielen Arten von Booten in Wasserparks ihren Einsatz finden”. Das kann man den Ausführungen von Manager Mark Kearns entnehmen.
“Die Fasern der Bananen-Staude werden verarbeitet, behandelt, und einer Kunststoffmischung hinzugefügt und haben dann - gepresst zwischen zwei dicken Schichten aus reinem Kunststoff - ausgezeichnete Struktur-Eigenschaften. Das Projekt gibt dem Begriff “Bananensandwich” auf diese Weise eine völlig neue Bedeutung.”
Nicht nur kleine und mittlere Unternehmen sondern auch die Umwelt würden von dieser Entwicklung partizipieren. Mark Kearns ist der Ansicht, dass diese moderne Technik eine deutliche Reduzierung der Menge des im Rotationsform-Verfahren eingesetzten Polyethylens ergeben werde. Am Ende werde eine “neue und nachhaltige Ära in der Herstellung rotationsgeformter Kunststoffe” stehen.
Zusätzlich wird die von BADANA entwickelte Technologie helfen, die Gewinnspanne der Plantagen-Besitzer zu steigern, die schon bald die millionenfachen Reste abgeernteter Bananenstauden veräußern können, die sonst im Müll landen würden. Schließlich soll die Initiative auch zur Schaffung von wichtigen Arbeitsplätzen in der Region Teneriffa führen.
Im BADANA-Projekt arbeiten zusammen mit den Wissenschaftlern aus dem Vereinigten Königreich auch Experten aus Bulgarien, Spanien und Ungarn mit an dem Projekt.
Weitere Informationen bekommt man bei:
BADANA: http://www.badana.eu/
Queen’s University Belfast: http://www.qub.ac.uk/
